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Himmelfahrt_2022_Möge_die_Macht.pdf

Predigt Christi Himmelfahrt 2022 Möge die Macht mit dir sein….“

 Liebe Schwestern und Brüder

Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis…“ - So beginnen keine Märchen.

Mit diesen legendären Worte wird der Auftakt eines der größten Kinoerfolge aller Zeiten, der Star-Wars-Saga, zelebriert. Jeder Film eröffnet mit der gleichen feierlichen Einleitung. Am 25. Mai 1977 lief in nur 32 Kinos in den USA der erste Teil „Krieg der Sterne“ des damals eher unbekannten Drehbuchautos George Lucas an. Es war nicht die Zeit für Sciencefiction, daher wurde der Film mit geringen Erwartungen auf die Leinwand gebracht. Man wollte Politthriller und Actionstreifen sehen. Weltraumabenteuer spielten eher eine nebensächliche Rolle. Doch bereits der erste „Space-Opera-Film“, wie Lukas die Saga um Luke Skywalker, Prinzessin Lea, den Abenteurer Han Solo, den Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi, die beiden heimlichen Hauptdarsteller, R2-D2 und C-3PO, Chewbacca und natürlich den finsteren Bösewicht Darth Vader, bezeichnete, wurde nicht nur finanziell einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Schon die erste Episode konnte sechs „reguläre“ und zwei Sonder-Oscars verbuchen. Danach folgten zunächst die zwei noch zur Ursprungstrilogie gehörenden Folgen „Das Imperium schlägt zurück“ und die „Rückkehr der Jedi-Ritter“, die nochmals neue Helden ins Weltall stellten: Der legendäre Jedi Yoda, der kleine grüne Weisheitslehrer, der deutliche Probleme mit grammatikalischen Regeln hatte, und natürlich die Ewoks, die putzigen Teddybären, die mit Schlauheit einen triumphalen Sieg über die Sturmtruppen des Imperators, der Ausgeburt des Bösen, erringen. Der Erfolg verlangt nach mehr, so wurden nochmals zwei Trilogien geschaffen, die die Vorgeschichte erzählen und die Saga weiterführen. Im Mittelpunkt steht letztlich ein Grundthema der Menschheit, der Kampf zwischen Gut und Böse. Das Weltraumepos erzählt vom Mut einzelner Helden, von der Versuchung des Bösen, von Vergebung, vom Kampf um Freiheit und demokratischen Werten.

 

1. Vater und Sohn...

Alle großen Themen werden verknüpft mit einer Familiengeschichte: Die zentralen Helden, Anakin, Luke und Leia, später auch deren Kinder gehören einer Familie an: „Skywalker“, „Himmelsgänger“. George Lucas konnte kaum deutlichere Hinweise finden, um auch dem naivsten Zuschauer klar zu machen, dass es nicht nur um Action im Weltraum geht, sondern religiöse Themen und Sinnfragen den Grundton der Handlung prägen. V.a. dominiert der Konflikt zwischen Vater und Sohn die Handlung. Wie in den Geschichten der Patriarchen, so z.B. Jakob und Josef, geht es um Trennung und um Versöhnung zwischen Vater und Sohn, Anakin Skywalker bzw. Darth Vader und Luke. Nachdem der Vater, eigentlich in Sorge um das Überleben seiner Kinder, auf die dunkle Seite der Macht gewechselt ist, kommt es zu einer Entfremdung bis zum blutigen Kampf zwischen Luke und Darth Vader, der versucht, ihn auf diese dunkle Seite hinüberzuholen. Aber im letzten Moment vereinen sie sich und eliminieren gemeinsam den teuflischen Imperator. Noch einmal will der Vater mit eigenen Augen den Sohn sehen und lässt sich dafür die schwarze Atemmaske abnehmen. Für die Versöhnung nimmt er den Tod in Kauf. Vater und Sohn sind jetzt wieder auf der richtigen Seite der Macht vereint.

 

Für viele Menschen ist der heutige Feiertag nur noch als „Vatertag“ relevant oder mitunter sogar nur noch so bekannt. Im Grunde kann der Titel durchaus etwas über den Festinhalt des 40. Ostertages aussagen. Wir feiern heute nicht, dass Jesus von uns weggeht, sondern dass er zum Vater zurückkehrt, ja dass er zu ihm erhöht wird. Es sind drei Bekenntnisformeln, denen in unserem Glauben an Jesus Christus eine zentrale Bedeutung zukommt. Kaiser Konstantin hat sie in der heiligen Stadt Jerusalem in Stein fassen lassen in den drei wichtigsten Kirchen der Christenheit:

1. Jesus, der Sohn des ewigen Vaters, wird in Maria Mensch und wird geboren als Mensch unter Menschen. Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott, ist von Ewigkeit her der Sohn Gottes. Er wird nicht von Gott „adoptiert“, weil er so besonders brav ist. Er kommt vom Vater und in seiner Geburt berührt der Vater die Welt. Das Verhältnis zwischen Sohn und Vater ist mitunter auch spannungsreich. Das Gebet am Ölberg und der verzweifelte Schrei am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ offenbaren, dass der Mensch gewordene Sohn auch durch ein Dunkel im Verhältnis zum Vater muss und an der Sinnhaftigkeit seines Weges zweifelt.

2. Jesus wird vom Vater von den Toten auferweckt. Die frühesten Überlieferungen sprechen davon, dass Ostern ganz die Initiative des Vaters ist. Er, der am Anfang aus dem Nichts alles geschaffen hat, bewirkt in der Auferweckung des Sohnes eine neue Schöpfung. Jesus kämpft sich nicht ins Leben zurück. An ihm handelt der Gott des Lebens, der stärker ist als die Macht des Todes. Der Vater, der den grausamen und unverständlichen Tod des Sohnes zugelassen hat, bleibt treu und handelt mit Lebenskraft am Sohn.

3. Heute, am vierzigsten Ostertag, fährt Jesus nicht einfach in den Himmel auf, er wird zum Vater erhöht. Der Kreis schließt sich gleichsam. Christus ist wieder da, wo er hingehört, zur Rechten des Vaters. Das Geheimnis des Festes ist auch die Heilung der Wunde des Todes in der Verherrlichung des auferweckten Christus. Vater und Sohn sind in der Ewigkeit vereint, aber dennoch nicht fern von den Geschöpfen, die der Zeit und der Endlichkeit unterworfen sind.

Sowohl in der Star-Wars-Saga als auch in der Bibel spielen Vater-Sohn-Erzählungen eine herausgehobene Rolle. Die Erzelterngeschichten berichten von Liebe, Entfremdung, Hass, Streit und Versöhnung. Alle Erfahrungen, die Menschen in diesen Beziehungen machen, klingen an.

Das Fest Christi Himmelfahrt bündelt die Hoffnung, die sich in ihnen und alle menschlichen Erzählungen ausdrückt: Es wird gut werden. Christus und der Vater sind vereint. Alle Schmerzen und alles Dunkel sind geheilt. Es ist im wahrsten Sinn ein Evangelium, eine „Frohe Botschaft“ für alle Menschen, die wir als seine Jüngerinnen und Jünger bezeugen dürfen. Der wahre „Skywalker“, Himmelsgänger Christus, nimmt die Kinder Gottes mit zum Vater.

In allen Reden über Jesus schöpft die Überlieferung des Evangeliums aus dem Erleben der Gotteskinder aller Zeiten. Wie oft scheint sich ein unüberwindlicher Graben zwischen uns, die wir in der Taufe Kinder Gottes wurden, und dem Vater aufzutun, weil wir ihn nicht verstehen, weil wir Angst haben, dass er uns nicht sieht, weil wir irr werden im Glauben, dass er wirklich ein guter Vater ist. Zugleich aber ist da die nie verlöschende Hoffnung, dass er es eben doch ist, dass wir einmal beim Vater sein werden und alle Rätsel, Nebel und Fragen gelöst werden.

 2. „Möge dich Macht mit dir sein…“

Der vierte Mai ist für alle Fans der Star-Wars-Saga ein Feiertag. Eigentlich ist da nichts geschehen, was mit den Filmen zu tun hat. Vielmehr wurde der 4. Mai auf Grund der englischen Aussprache des Datums „May, the fourthausgewählt, da sie der Aussprache des Satzes „May the force be with you“ (auf Deutsch: „Möge die Macht mit dir sein), einem der zentralen Sätze in den Filmen sehr ähnelt.

Möge die Macht mit dir sein.“ Die Macht ist ein Schlüsselwort in den Filmen. Für viele, die sich wissenschaftlich mit Star-Wars auseinandergesetzt haben, ist es der göttliche Brückenschlag. Die Macht ist abstrakt, dennoch ganz konkret. George Lucas, der Erfinder, gibt selbst zu, dass er zwar keinen religiösen Film schaffen wollte, aber dennoch ein religiöser Hintergrund erkennbar ist. In einem Interview ließ George Lucas seine Fans wissen, dass er selbst an die Existenz eines Gottes glaube und außerdem an den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. „Ich glaube nicht“, so Lucas damals, „dass Star Wars ein religiöser Film ist, aber er nimmt Themen der Religion auf und destilliert sie für die Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass es da draußen etwas Größeres gibt.“ (vgl. https://www.feinschwarz.net/may-the-force-be-with-you/) Was ist die Macht, die in den Star-Wars-Filmen an die Stelle Gottes tritt? Der weise Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi wird seinen Schüler, Luke Skywalker, lehren, das die Macht ein Energiefeld ist, „das alle lebenden Dinge erzeugen. Es umgibt uns, es durchdringt uns. Es hält die Galaxis zusammen.“ In Athen wird Paulus den gelehrten Griechen über Gott ausführen: „Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. ...Sie (die Menschen) sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art.(Apg 17,24-28)

Wir sind von Gottes Art“ beschreibt Paulus das Wesen des Menschen. Die Helden von Star-Wars würden sagen, wir sind auf der hellen Seite der Macht, in der sich alle bewegen und durch die alle zusammengehalten werden. Im griechischen verbergen sich hinter dem Wort „Macht“ die Worte „Dynamis“ „Gottes allmächtige Kraft“ und „exousia“, die „Vollmacht Jesu“, die sich in seinen Zeichen und Wundern erweist. Es braucht keine künstliche Brücke zur großen Kraft Gottes, die den Jüngern als Energie zum Zeugnis für die Frohe Botschaft von Jesus verheißen wird: Der Heilige Geist, die dynamische Kraft Gottes. Wie die „Macht“ in Star-Wars bleibt er zwar eher gestaltlos, aber ist doch die alles antreibende und verbindende Kraft, Kreativität, Energie, die aus der göttlichen Quelle kommt. Eben diesen Geist verheißt Jesus seinen Jüngern und um ihn beten wir in den nächsten Tagen. Der Geist Gottes bewirkt die Kirche, eine Gemeinschaft von fehlerhaften, schwachen und oft mutlosen Menschen, die dennoch die Kraft hat, Zeugnis für Gott abzulegen und das Gute in der Welt zu bewirken. Er ist die Kraft, die Leben schafft, Verhärtungen aufbricht und die Kirche bewahrt vor der Versuchung, sich abzuschotten und zu verschließen. Er ist der Lebensnerv, der die Christen mit jener Kraft ausrüstet, die sie in Leid und Freud im Alltag und in allen anderen Lebenssituationen zu bestehen lässt. Er ist die Energie, mit der wir unser Lebenshaus auf festen Grund errichten und mutig andere einladen können, einen Platz in ihm zu haben.

 Liebe Schwestern und Brüder

Star-Wars ist nicht nur eine Filmreihe. Das Leinwand-Epos hat selbst eine Religion hervorgebracht. Bei der Volkszählung in Tschechien 2021 gaben 21.000 Einwohner an, Anhänger des Jediismus zu sein und die Glaubenssätze der Helden der Star Wars-Filme zu unterstützen. Damit wurde die Glaubensgemeinschaft plötzlich zur fünftgrößten im Land. Auch in den USA werden zigtausende Anhänger der Jedi-Religion gezählt. Ich vermute, dass wir das auch in unserem Land als ein Ergebnis des anstehenden Zensus erfahren werden. Während die etablierten Kirchen massiven Mitgliederschwund erleben, wächst eine Religion, die sich eingebunden sieht im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, die in einer Mischung zwischen Christentum, Kabbala, Buddhismus, Meditation, Weisheitslehren einen Weg der Reinheit und der Erkenntnis finden will, um so auf der hellen Seite der Macht, die alles umspannt, zu stehen. Der Mensch ahnt, dass es größere Zusammenhänge gibt, v.a. im Gegensatz zwischen Gut und Böse, als wir sehen können. Darum ist es wichtig, dass wir als Christen deutlich machen, auf welcher Seite wir stehen. Das Evangelium von Christi Himmelfahrt betont in den letzten Zeilen viermal das Wort „Segnen“, also „Gutes zusagen“. Jesus segnet die Jünger und sie segnen den Vater und werden zum Segen für die Welt. Wir sind keine heldenhaften Kämpfer des Lichtes, wir glauben, dass das Böse in der Welt nicht mit Gewalt besiegt werden kann, sondern nur durch die Macht des Guten. Wir stellen heute die Welt und uns unter die Macht des Segens, der frohen Botschaft, dass Gott mit seinem Geist die Welt verwandeln wird nicht in ein Schlachtfeld des apokalyptischen Endkampfes, sondern in die Erfahrung, dass wir alle, wie es Paulus sagt, von seiner Art sind und in ihm uns bewegen. Amen.

Sven Johannsen, Lohr (vgl. Simone Paganini; Im Namen des Vaters…; Freiburg 2022)

 

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