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Hochfest Mariä Verkündigung

"Große Worte" (Predigt)

Die Messfeier auf Youtube: 

www.youtube.com/watch?v=TkwkXky3S4Y&t=1332s

Liebe Schwestern und Brüder

 Große Worte werden zur Zeit gesprochen.

Viele sind notwendig. Eindrucksvoll und klar hat unsere Bundeskanzlerin in ihrer Rede an das Volk und in ihrer Stellungnahmen am Sonntag mit deutlichen Worten klar gemacht, dass die Maßnahmen der Regierung keine Vorschläge oder Empfehlungen sind, sondern Regeln sind, an die sich alle zu halten haben, denn es geht um Leben und Tod von vielen Menschen in unserem Land. Ähnlich wie sie sprechen zur Zeit viele Politiker, durchaus einfühlsam. aber auch bestimmt das an, was jetzt zählt. Ich denke, dass wir dankbar sein können für die vielen klärenden und unaufgeregten Worte von Virologen, Ärzten und anderen Fachleuten, die uns das Ausmaß der Pandemie deutlich machen, aber auch eine Hysterie verhindern sollen. Gut, dass diese Worte gesprochen werden. Wir werden sie auch weiterhin brauchen,

Auf der anderen Seite hat sich aber auch eine Geschwätzigkeit eingerichtet, in der viele „Stammtisch-Fachleute“ immer noch eine schlimmere Horrornachricht auf die andere folgen lassen. Da werden Ängste erzeugt, Aggressionen geschürt und Menschen verwirrt. Da weiß jemand um die wahren Gründe der Pandemie und liefert abstruse Theorien. Der Nächste weiß, dass bald die Lieferungen für die Supermärkte zusammenbricht. Der Dritte hat Insider-Informationen, dass die Zahl der Infizierten viel höher ist als offiziell genannt. Täglich begegnet uns jemand, der noch mehr weiß und einen ungebremsten Mitteilungsdrang hat.

In manchen Büros, Wohnungen oder Telefongesprächen wird es uns mitunter zu viel an Worten, die nicht helfen, sondern verunsichern.

Große, klare und knappe Worte, denen Taten folgen, sind zur Zeit die beste Hilfe, die wir haben können.

Da fügen sich am heutigen Fest die Lesungen gut in unsere Empfinden. Schon der Name, Verkündigung des Herrn oder im Volksmund Mariä Verkündigung, macht ja deutlich, dass es um viel mehr geht als um ein biologisches Geschehen.

Im Mittelpunkt steht die Menschwerdung des Gotteswortes. In neun Monaten werden wir am Weihnachtstag bekennen, dass dieses Wort, das im Anfang war, aus dem alles geworden ist, nun Fleisch wurde und unter uns gewohnt hat. Weihnachten beginnt heute, mitten in der Fastenzeit. Die Geburt des Retters in der Mitte der Nacht im Stall zu Bethlehem ist keine spontane Zufallsidee, sondern Plan Gottes, in dem ein Mensch eine wichtige Rolle spielt, Maria.
Die Lesungen und das Evangelium führen uns tiefer hinein, was uns in diesem menschgewordenen Wort gesagt wird.

 

Es ist ein Wort, das Klarheit schafft (1. Lesung Jes 7,10-14)

König Ahas ist ein Meister des Lavierena. Er, Herrscher über das eher unbedeutende Südreich Juda im 8. Jahrhundert, will angesichts der Bedrohung seiner Nachbarn durch das Großreich Assyrien Profit herausschlagen. Er besticht den assyrischen König mit Gold aus dem Tempel, versucht sich als Intrigant ohne klare Position und zeigt sich als besonders willfährig gegenüber der neuen Supermacht im Nahen Osten. Er ist dafür auch bereit, den Glauben zu verbiegen und Änderungen im Tempel von Jerusalem vorzunehmen. Das Intrigieren und Lavieren, auch ihm gegenüber, missfällt Gott. Der Prophet Jesaia tritt auf und stellt dem nervigen Plattitüden des Königs das klare Wort Gottes entgegen, das sich im Namen „Immanuel, Gott ist mit uns“ ausdrückt. Gott hat sich klar entschieden für das kleine Volk, das er aus Ägypten geführt hat. Mit ihm hat er seinen Bund geschlossen und wird ihn halten. Das ruft Jesaia dem Ränkeschmied Ahas, der auf Bündnisse nicht viel gibt, in Erinnerung.

Für uns als sein Volk bleibt über die geschichtliche Situation hinaus diese Zusage gültig: Gott ist der „Immanuel“, der „Gott-mit-uns“, immer und zu allen Zeiten, auch jetzt. Er ist kein doppelgesichtiger Gott mit wechselnden Launen. Auch wenn er uns manchmal fremd erscheint, gilt dieser Name für alle Zeiten. Jesus, das Wort des Vaters, wird es im Gespräch mit Nikodemus so bestätigen: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“

Ein knappes Wort „Immanuel“, aber auf ihm baut unser Glaube als Kinder Gottes auf, der nicht aus Panik und Angst geschieht, sondern aus Vertrauen und Hoffnung, auch jetzt.

 

Es ist ein Wort, der Verheißung (2. Lesung Hebr 10,4-10)

Wo gehören wir hin? Sind wir einem blinden Schicksal ausgeliefert? Wo finde ich einen Halt in den Sorgen und Ängsten meines Lebens? Fragen, die im Augenblick besonders drängend werden. Der Hebräerbrief bestimmt uns schon als Angehörige der himmlischen Welt. Karl Lehmann hat uns „Nachbarn des Himmels“ genannt.

Wir sind weder Produkte des Zufalls noch einer Laune. Unser Heil und unsere Rettung verdienen wir uns nicht aufgrund unserer Leistungen und Taten. So wichtig alle Rituale in unserem Glauben sind, für den Himmel gerettet sind wir durch die Hingabe Jesu, der den Willen des Vaters erfüllt. Wir leben als Menschen nicht ausgeliefert den Wechselfällen. Über unser Schicksal entscheidet nicht der Augenblick. So sehr wir noch Herausforderungen zu bestehen haben, wir leben aus der Gewissheit, dass jemand in uns schon Liebe und Hingabe investiert hat. Auch wenn uns das nicht vor Leid und Krankheit bewahrt. Es ruft uns in Erinnerung, dass Gott den nicht fallen lässt für den er unter dem Kreuz dreimal gefallen ist.

 

Es ist ein Wort, das auf Antwort wartet (Evangelium Lk 1,26-38)

Gewöhnlich wird dieser Tag „Mariä Verkündigung“ genannt. Der Glaube der Menschen legt also neben der lehramtlichen Aussage noch großen Wert auf das Mittun Mariens. Gerade für uns Katholiken ist diese Dimension sehr wichtig. Gott überrennt den Menschen nicht, unterwirft ihn nicht oder macht ihn zum Zuschauer. Der Mensch ist Partner Gottes in allen Bereichen. Gott wartet auf das „Ja“-Mariens. Der Engel schwingt keine großen Reden, redet Maria nicht tot oder treibt sie mit spitzfindiger Argumentation in die Enge. Er legt ihr in einfachen, ruhigen Worten den Plan Gottes vor und erinnert sie an das Beispiel ihrer Verwandten Elisabeth. Das „Fiat“ Mariens ist der Moment, in der Gottes Wort Mensch wird.

Es ist kein ergebenes „Ich kann ja nicht anders“ eines Menschen, dem man keine Alternative lässt. Es ist eine freie Entscheidung für Gott und die Menschen. Marias „Ja“ setzt den freien Menschen voraus, den Gott achtet und in dem er sein Kind entdecken kann.

Es klingt in den Worten so vieler Menschen wie ein Echo durch die Zeiten, die ihr „Ja“ zu Gott auf unterschiedliche Weise gesprochen haben und noch immer sprechen:

Das Gebet der stillen Beter zuhause und in den Kirchen, der Ordensfrauen und -männer in den Klöstern, die brennenden Kerzen, die Eltern, Großeltern für die Jüngsten entzünden, die Fürbitte für Kranke uns Sterbende

Das Wort der Verkündigung durch Seelsorger, Lehrer, Eltern, glaubende Menschen, die das Vertrauen in Gott durch ihr Wort und ihr Tun bezeugen.

Und natürlich das selbstlose „Ja“ so vieler Helfer in unseren Tagen. Krankenschwestern, Pfleger und so viele Berufe, die jetzt mit lobenden Worten überhäuft werden, aber oft genug im Alltag um Ihre Existenz ringen. Die ihren Beruf nicht als Karriere gewählt haben, sondern aus Berufung und Idealismus. Aber auch die vielen Freiwilligen, die jetzt bereit sind, sich zu engagieren. Ich denke an die Aktion unserer Sozialpädagogin, Sabrina Peper, die Hilfe, Trost und Gespräche für Menschen organisiert, die jetzt alleine und einsam sind. Zahlreiche Menschen, ob gläubig oder nicht, haben „Ja“ gesagt und so sich einbinden lassen in den Dienst am Abbild Gottes, dem Menschen.

Wenige Worte, eindeutig und verlässlich, turn Not. Gott hat seines gesprochen in der Menschwerdung seines Sohnes. Maria hat für uns geantwortet mit ihrem „Ja“. Bestätigen wir es durch unser Tun. Amen.

 

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