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Predigt 4. Sonntag der Osterzeit

„Hirten im Kreuzfeuer der Kritik“ 

(Pfarrer Sven Johannsen


„Warum Papst Franziskus so viele Gegner hat?“

Mit dieser Frage überschrieb in der vergangenen Woche das online -magazin www.katholisch.de, eine halboffizielle Seite der deutschen Bischofskonferenz, zwar nicht von ihr geführt, aber von ihr bezahlt, einen Artikel des britischen Vatikan Journalisten Christopher Lamb über die Beweggründe der Widersacher des ansonsten weltweit beliebten Papstes.

Die Widersacher des Pontifex macht der Journalist v.a. unter den Mächtigen dieser Erde und in den traditionalistischen Kreisen aus

Manche sehen ihn als Gefahr für den wahren Glauben und v.a. für die Morallehre der Kirche.

Manche empfinden ihn als zu politisch, andere stören sich am Stil wie er sein Papstamt ausübt.

In letzter Konsequenz gipfelt alles im Vorwurf, dass er ein schlechter Hirte sei, der das Vorbild des guten Hirten Jesu verrät.
Die Kritik bleibt nicht auf den Papst begrenzt. Es gibt eine breite Koalition unterschiedlicher Gruppen, gerade im traditionalistischen Bereich, die auf den verschiedensten Plattformen schon eine mediale Hetzen gegen Bischöfe und ihre Mitarbeiter inszenieren, sobald ihnen eine Äußerung oder Entscheidung als nicht in ihrem Sinn katholisch erscheint. Es gibt gleichsam ein Überwachung aller Vorgänge in Bistümern und Ordinariaten, Klöstern und Einrichtungen mit dem Ziel, auch den kleinsten scheinbaren Widerspruch zu dem, was diese Kreise für katholisch halten, anzuprangern.
Es ist sicher keine große Freude in dieser Zeit, Bischof zu sein. Man kann durchaus feststellen, dass die Hirten unter Beobachtung, ja sogar unter Beschuss stehen.

Damit genug des Mitleids mit unseren Oberhirten.

Wer sich in unserer medialen Zeit so ein Amt übernimmt, weiß, dass soziale Medien nicht nur zur Huldigung da sind, sondern auch oft Plattform von z.T. unberechtigter Kritik.

Das Urteil über die Hirten, das muss uns klar sein, kann nicht von Stimmungsmache und Populismus abhängen, sondern allein sich am Maß des guten Hirten Jesu festmachen.
Dieser gute Hirte Jesus hat niemals seine Aufgabe darin verstanden, es allen recht zu machen, keinen zu verärgern und eine andauernde Hochstimmung zu verbreiten, sondern darin dem Willen des Vaters treu die Herde zu sammeln und zu führen.

Wir können annehmen, dass auch wir unsere Schwierigkeiten gehabt hätten, Jesus in seiner Zeit zu verstehen, so wie es heute von den Menschen im Evangelium berichtet wird. Da sind lange religiöse Prägungen und Überzeugungen, die Jesus durcheinander bringt. Oft lässt er die Verwirrung auch einfach im Raum stehen.

Kennzeichen des guten Hirten Jesu ist in keinem Fall die Harmonie oder das Bestreben, es allen recht zu machen.

Folgt man der Beschreibung des guten Hirten Jesus heute in den Lesungen, dann folgen für mich daraus drei Kriterien, die das Hirtenamt in unserer Kirche charakterisieren:

In der Predigt des Petrus wird klar der Kern von Kirche beschrieben: Es ist das Bekenntnis, dass Jesus der Herr der Kirche ist. Kirche darf niemals durch ihre Amtsträger den Eindruck erwecken, dass es um sie geht, um die Institution, um Besitzstände und Strukturen, die man retten will. In allem ihrem Tun müssen die, die am Hirtendienst Jesu teilhaben, transparent werden lassen, dass sie nicht um das Überleben ihrer Stellung, ihrer Machtposition und ihres Einflusses kämpfen, sondern sich dem Willen Christi verpflichtet fühlen. Den aber können wir alle nie mit letzter Sicherheit in jeder Situation aus uns allein heraus beschreiben. Das gilt auch für den Papst und die Bischöfe. Es braucht auch das gemeinsame Ringen und Suchen.

Die Lesung aus dem ersten Petrusbrief verweist auf die Bereitschaft Jesu zu Leiden und seine Sache dem gerechten Richter zu überlassen. Für das, was ich als richtig und dem Willen Christi getreu erkannt habe, muss ich auch bereit sein einzustehen und auch die Stürme durchzustehen. Kirche muss immer auch Anteil an den Leiden Christi haben und darf nicht selbstgerecht und selbst-mitleidig werden. Sie leidet auch für andere Menschen. Es gibt eine Option für die Schwachen und Armen, an der man den Hirtendienst in der Kirche erkennt. Papst Franziskus hat sich dieser Sorge immer wieder gestellt und sich zum Anwalt der Kleinen in der Menschheit aber auch der verwundeten Schöpfung gemacht. Dafür wurde er von vielen Seiten heftig kritisiert. Letztlich ist für mich das auch ein Kriterium, ob ein Hirte seine Aufgabe in rechter Weise wahrnimmt.

Wer Hirte in der Kirche ist, muss durch die Tür gehen und die Seinen kennen. Im heutigen Evangelium offenbart sich Jesus nicht zuerst als der gute Hirte, sondern als die Tür zum Vater. Das ist wichtig: Das Amt muss ausgeübt werden, zunächst aber muss mein Leben und mein Glauben einladend sein, Menschen auf Gott ihren Blick richten zu lassen. Das geht nur durch eine eigene lebendige Christusverbindung im Gebet, in der Stille, im Hören auf sein Wort und im Leben aus der Eucharistie Wer nicht durch Jesus geht, ist kein Hirte, auch wenn er das Amt hat. Wer also nicht als Christusträger erkannt wird, kann nicht als Kirchenführer erkannt werden, auch wenn er rechtlich das ist.

Das heutige Evangelium vom guten Hirten stellt andere Kriterien in den Vordergrund für das Hirtenamt als es gerne in manchen Gruppen und Kreisen unserer Tage geschieht: Die Hirten müssen den „Stallgeruch“, so Papst Franziskus, an sich tragen und bereit sein, sich mit ganzer Lebenshingabe einzusetzen für den Glauben und die Glaubenden.Ein verbeamtetes Hirtenamt, das nicht das Leben von Menschen kennt, ist ein Verwaltungsamt, aber kein Hirtendienst im Sinne Jesu.

Das heißt nicht, dass man nicht auch Kritik üben darf.
Ich habe in den letzten Wochen Äußerungen von Bischöfen gehört, die mich entsetzt haben. Ich denke da, an den wiederholt geäußerten Vorwurf, dass die Katholiken eucharistiefixiert sein. Ja, ein Bischof hat sogar gemeint, dass er es lästig finden darf, wenn die gläubigen Menschen mit immer größere Unruhe fragen, wann wieder Eucharistie gefeiert werden kann in den Gemeinden. Bischöfe sind nicht sakrosankt, aber Kritik kann nicht gleich zur fundamentalen Infragestellung des Hirtenamtes werden.

Ich brauche es nicht betonen, dass ich in der Frage, wann wir Eucharistie in den Gemeinden feiern, anderer Meinung bin als unser Bischof. Ich habe Bischof Paul Werner bei der Priesterweihe Gehorsam versprochen, der ihm und seinen Nachfolgern gilt. Das schließt aber doch nicht aus, dass ich in meinen Überlegungen zu anderen Schlüssen komme als der Bischof, auch wenn ich nicht machen kann, was ich will. Zugleich aber ist es fundamental, ihn auch in der unterschiedlichen Einschätzung als den zu sehen, der in besonderer Weise Anteil hat am Hirtenamt Jesu und versucht dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Bischöfe und Papst müssen Kritik vertragen, wenn es unterschiedliche Sichtweisen geben kann und sie fair vorgetragen wird, aber sie haben auch ein Recht darauf, dass man sie nicht bei jedem Dissens als schlechte Hirten abqualifiziert und diffamiert. Der Hirte in der Kirche muss immer erst durch die Tür des guten Hirten Jesu gehen, dann können wir ihm auch vertrauen. Amen.

 

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