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Prozession und Messe am Gelobten Tag der Stadt Lohr - Video von der Feier ist online - Auch 2020 konnte man das Rochusessen genießen

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Wenigstens das dritte Fest in der „Lohrer Dreifaltigkeit“ konnte auch 2020 fast „normal“ gefeiert werden. Während „Karfreitagsprozession“ und „Spessartfestwoche“ in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie faktisch entfallen mussten, konnten die Lohrer ihren Rochustag mit nur wenigen Einschränkungen begehen. Seit 1666 ziehen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt am Tag des Heiligen Rochus ihrem Gelübde folgend auf den Valentinusberg oberhalb der Altstadt und feiern dort zum Dank für die Rettung der Stadt vor der Pest eine Votivmesse zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Zwar gab es in diesem Jahr nur eine kleine Prozession mit ausgewählten Teilnehmern, aber vor der Kapelle stehend oder sitzend beteten die Gläubigen die Prozessionstexte mit musikalischer Unterstützung durch die Stadtkapelle. Hinter der „Homo-Memento-Mori“-Fahne, die Michael Schecher als Mitglied der Kirchenverwaltung trug, zogen Mathilde Lembach für den Stadtrat, Christa Seitz für den PGR, der 2. Bürgermeister der Stadt Lohr, Dirk Rieb, und Pfarrer Sven Johannsen mit der Reliquie des Heiligen Rochus.

In seiner Begrüßung erinnerte Pfarrer Johannsen daran, dass der Rochustag für viele Lohrer eine Herzenssache ist: „An Rochus ist man zuhause, auch wenn man nicht mehr in Lohr wohnt.“ Die Lohrer Dreifaltigkeit „Karfreitagsprozession, Spessartfestwoche und Rochustag“ markieren die Identität der Menschen in der Stadt. In seiner Predigt zog der Stadtpfarrer Parallelen zwischen der Situation vor fast 360 Jahren und den Erfahrungen der Menschen im Jahr 2020. Wie damals ist es die Bedrohung durch einen Feind, den man sehen und einschätzen kann, so der Pfarrer. Er fragte nach den bleibenden Veränderungen, die durch die Pandemie ausgelöst wurden, und wies auf einer neue Sicht der eigenen Verletzlichkeit, auf eine neue Bedeutung von Gemeinschaft, eine neue Erkenntnis auf die Möglichkeiten der Menschheit im Blick auf die Bewahrung der Schöpfung und ein neue Bild von Gott als Quelle der Ermutigung hin.

PGR und KV hatten mit der Küsterfamilie Herrmann den großen Platz so hergerichtet, dass alle Abstands- und Hygieneregeln gut eingehalten werden konnten. Zusätzliche Bänke wurden aufgestellt. Viele Teilnehmer kamen mit eigenen Sitzen. Die Kommunion wurde in diesem Jahr an den Platz gebracht. Da eine gemeinsame Schlussprozession zur Stadtpfarrkirchen nicht möglich war, betete Pfarrer Johannsen noch vor der Kapelle das Gebet um Schutz der Stadt und spendete den Segen für die Bürgerinnen und Bürger.

Uneingeschränkt möglich war natürlich auch das Befolgen einer weiteren Tradition: das Rochusessen mit Leberknödel, Beizfleisch und Sauerkraut in den Lohrer Gaststätten. Bereits im Vorfeld hatte der Stadtpfarrer in einem Interview mit dem Lohrer Echo darauf verwiesen, dass das „Fleisch lastige“ Traditionsessen durchaus mit einem neuen Essverhalten in unserer Zeit in Einklang zu bringen ist. Das Rochusessen unterstrich in einer Zeit, die im Alltag eher die fleischlose Kost gewohnt war, den besonderen Festcharakter des Tages und bildete so eine willkommene Ausnahme, die durchaus zu einer bewussten Ernährung in unserer Zeit passt.

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