Osterpredigt in St. Peter und Paul in Wombach 2026

– frei nach Friedrich Schillers „Die Glocke“ [1799]  –

Von Sankt Peter, schwer und bang,
verstummt der Glocke Grabgesang.
Ernst begleiteten ihre Trauerschläge
wir Herrn Jesu letztem Wege.

Daß wir die Glocke taufend weih’n,
Gottesliebe soll ihr Name sein!
Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
versammle sich die liebende Gemeine.

Fest verschlossen in der Erden,
lag der Herr, in Fels gebannt.
Heute muss getrauert werden.
Auf, ihr Christen, verkündet im Land!

Von der Stirne heiß
rann Sein Blut, Sein Schweiß.
Nun darf der Mensch den Herrn loben,
denn Segen kommt von oben.

Zum Karfreitag, als die Erde tat erbeben,
geziemt sich noch ein ernstes Wort:
Gottes Sohn gab für uns hin Sein Leben,
damit das Leben für uns dauert fort.

 

So laßt uns jetzt mit Osterjubel,
der nach der Fastenzeit entspringt,
dem Mensch in schweren Weltentrubel
die nie bedacht, was Gott vollbringt.

Das ist’s ja, was den Mensch nun rettet,
und dazu gab der Herr Verstand,
dass er im tiefsten Herzen spüret,
was Gott erschafft mit neuer Hand.

Seht das Holz vom Kreuzesbaume,
denkt noch an des Herren Leiden,
Daß des Menschen wicht’gen Traume
wohl der Tod will von uns scheiden.

Was in Steines tiefer Grube
leise niemand nachts geschaut,
wird nun auf uns’res Turmes Glockenstube
in die Welt getönet laut.

Was unten tief dem Menschensohne
durch die Gottesmacht geschah?
Verzichtend auf die Himmelskrone,
Gott Sohn macht Sünder wunderbar.

Nun klingen wird’s in fünfzig Tagen
die hohe Osterzeit im Ohr;
Wie geht Auferstehung?“ – sind die Fragen.
Also stimmet ein im Chor.

Denn mit der Jubel Feierklange
begrüßt Gott Dich, geliebtes Kind.
Uns Menschen wurd schon Angst und Bange,
doch Gott die Schöpfung neu beginnt.

Wir ruhen noch im Zeitenschoße
mit leichtem und mit schwerem Lose.
Ein Leben ohne Plag’ und Sorgen
schenkt uns der Auferstehung Morgen.

Jetzt, Christen, tau und frisch gesungen!
Wird kein’ Trübsal mehr errungen.
Ob das harte Herz mit Christi Wunden
sich vereint zu guten Osterstunden.

 

Denn wo das Leiden mit dem Zarten,
wo Strenges sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.

Drum prüfe, wer an Gott bindet,
ob sich mein Herz zu Seinem findet!
Das Leben ist kurz, der Tod zu lang.
Des Todes Schatten flieht!
Die Liebe darf für ewig bleiben,
der Frühling wieder neu erblüht,
Die Frucht guten Samens soll jetzt treiben.

Fest, wie der Erde tiefster Grund,
gegen des Teufels Macht
steht über dem Grab, des Herrn Jesus, Pracht!
Denn mit des Bösen Kriegesmächten
ist kein ewger Bund zu flechten!

Ach! Vielleicht indem wir hoffen,
hat uns Unheil schon getroffen.
Und das Unglück ist verwegen.
Wahres Glück nur gibt der Gottessegen!

 

Wohl! nun kann Ostern beginnen,
Schön geregnet wird der Segen.
Doch bevor wir’s lassen rinnen,
betet einen frommen Spruch!

Stoßt den Tod hinaus! – Gott bewahre dieses Haus!
Und alle, die hier gehen ein und aus!

Der Mensch muss wieder ins alltägliche Leben,
muss leben, wirken und auch streben.

Und pflanzen und schaffen, – und ruhen, und hoffen,
muss beten und wagen,
um das himmlische Glück zu erjagen.

Da strömet herbei die unendliche Gabe,
es füllt sich die Kirche mit köstlicher Habe,
endlich füllt sich das Gotteshaus.

 

Und drinnen waltet die tüchtige Jungfrau,
die Gottesmutter der Pfarrer, Gläub´gen und Ministranten.
Und regieret sehr weise – im kirchlichen Kreise,
und lehret die Mädchen – und wehret den Knaben,
und reget ohn’ Ende – die fleißigen Hände,
und mehrt den Gläb´gengewinn
mit ordnendem Sinn.

Dem dunkeln Schoß der Menschen Erde
vertrauen wir der Gottestat,
vertraut der Sämann Seine Saat.
Und hofft, dass sie entkeimen werde
zum Segen, nach des Himmels Rat.

Noch köstlicheren Samen bergen
wir hoffen in des Glaubens Schoß;
und hoffen, dass wir aus den Särgen
auch erblühen zu schöner’m Los.

 

Hoffen ist des Christen Zierde,
Segen ist des Himmels Preis;
ehrt Christkönig seine Würde!
Ehret Seiner Wunden Fleiß.

Holder Friede, – süße Eintracht,
weilet, weilet freundlich über uns’re Stadt!
Möge nie der Tag erscheinen,
wo des rauhen Krieges Horden
dieses stille Tal durchtoben!
Wenn der Mensch soll auferstehen,
muss der Leib in Erde gehen.

 

Der Tod mag meine Form zerbrechen
mit starker Hand, zur rechten Zeit.
Doch Gott hat uns in Freudenbächen
in ewiges Leben heut’ befreit!

Freude hat mir Gott gegeben!
Sehet! Wie ein gold’ner Stern
aus der Erde, felsig und eben,
leuchtet der Auferstehung Christi Kern.

Jetzt so mit der Kraft des Schöpfers
stieg der Herr aus Seiner Gruft.
Und die Glock, vom Klang des Töpfers,
ruft dies Werk in Himmelsluft.

Schwinget, klinget, hoch erhebet!
Sie bewegt sich, und sie schwebet,
Freude diesem Dorf bedeute,
Fried’ sei Euch durch Glockengeläute.

Die Glocken erklingen und sagen uns an,
des Auferstehungs’ Werk,
hat Gott nur für uns getan.

Drum heut Morgen ich auch schließe,
und es mir auch nicht nehmen ließe!
Wie ein Glöckchen – laut und deutlich;
und sage es jetzt sehr erfreulich:

Vor allem in des auferstand’nen Herren Namen,
Halleluja und auch Amen.

 

von Kaplan Tommy Reißig.

 

Bild: Michael Bogedain, in: Pfarrbriefservice.de