Predigt zum 3. Fastensonntag – Der Vollmond in der Nacht, Gottes Gegenwart am Tag

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Sie haben in der letzten Woche etwas verpasst: der „Blutmond“ war am Himmel zu sehen. Er wurde als „gespenstisch“ beschrieben und von vielen Menschen gegen 12:37 Uhr am Himmel beobachtet. Es gibt dabei leider nur ein Problem, denn um ihn zu sehen, hätten Sie in die Pazifikgegend reisen müssen. Bei uns war er leider nicht zu sehen, aber der Mond im Lenz gilt als Vorbote der Frühlingszeit. Auch wenn es für uns nicht möglich war, ihn zu sehen, war er trotzdem da am vergangenen Dienstag. Es war etwas Spektakuläres, was so nur selten vorkommt. Es verändert eine Sichtweise, weil der Mond einmal anders oben erscheint, wie wir ihn kennen. Etwas Gewohntes wird für die Menschen für kurze Zeit ungewohnt.

Das Volk Israel befindet sich in einer schwierigen Situation. Sie haben hautnah miterlebt, wie sie in Ägypten unterdrückt worden sind; wie sie schwere Arbeit für die Herrscher des Landes leisten mussten, und wie diejenigen, umgebracht worden, die für die Meinung der Oberen nicht mit nutzbar und tragbar waren. Als sie dann um Hilfe riefen, gab Gott, der Herr auf dem Berg Sinai, die Hoffnung, dass alles anders werden kann. Er selbst will sie führen auf einen neuen Weg, der in die Freiheit führt. Doch der Mensch bleibt, was er ist, nämlich ein „Gewohnheitstier“. Damals war ja doch alles anders, vielleicht sogar ein wenig besser. In Ägypten hatten wir wenigsten zu Essen, mussten nicht so viel wandern und konnten einen Dienst für die Gemeinschaft tun. Das, was ihnen angetan wurde, ist völlig aus ihrem Sinn verschwunden. Gott merkt ihre Unzufriedenheit und ihre Suche nach etwas Spektakulären, was sie sonst nicht sehen können und nicht besitzen. Also schenkt er ihnen (über-)lebensbringendes Wasser, damit die Israeliten erkennen können, dass der Herr es gut mit ihnen meint. Er will nicht ihren Frondienst, nicht ihre Arbeit und sie schon gar nicht ungerecht sterben lassen. Sie bekommen die Möglichkeit, eine andere Sichtweise auf den zu bekommen, den sie in ihrer Situation vermissen und nicht erkennen können.

Der Frau am Jakobsbrunnen, der Jesus begegnet geht es ähnlich. Das Wasser, das sie schöpft, ist ein Ausdruck ihrer Suche nach einem Sinn in Leben, möglicherweise nach dem Leben selbst. Weil sie zu den Samaritanern gehört und für diese religiöse Gruppe es nicht erheblich ist, an einen Erlöser zu glauben, den Gott schickt, ist es umso mehr verwunderlich. Sie ist so offen für etwas Spektakuläres, was sie sonst nicht finden kann. Das deutet sich an, indem sie von sich selbst sagt, dass ihre fünf Männer, ihr das Glück nicht schenken können und sie sich trotz ihrer Heiraten alleine fühlt [vgl. Joh 4,17]. Sie glaubt sofort – nach der Evangelienerzählung – an das, was Jesus zu ihr sagt: „Ich bin es, der mit dir spricht.“ [Joh 4,26b] Denjenigen, auf den Du wartest, steht vor Dir und spricht mit Dir. Wenn Du für Gott offen bist und Dich selbst auf den Weg gemacht hast, ihn zu suchen, hast Du ihn bereits gefunden, weil er schon da ist.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

denken Sie stets und ständig an Gott?! Das meine ich nicht vorwurfsvoll, sondern will Ihnen eine andere Sichtweise ermöglichen – die Sichtweise des Mondes. Wir konnten ihn vom 02. auf den 03. März nicht sehen, aber er war da. Die Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel haben ihn entdecken können. Aber er war auch für uns da. Wir haben nur einen anderen Blick auf ihn werfen können. Oder denken Sie an jedem Abend daran, dass der Mond aufgescheint ist. Gehen Sie jeden Abend zu Fenster und schauen ihn an? – Das ist gar nicht notwendig, weil Sie ja intuitiv wissen, dass er jeden Abend am Himmel aufgeht. Und so ist es mit meinem persönlichen Leben mit Gott: Er ist immer da, auch wenn ich ihn nicht immer spüren und erkennen kann; auch wenn ich ihn nicht sehe. Das ist einmal besser möglich und an anderen Tagen ist es so, dass ich nicht an ihn direkt denke – ohne dass ich es böse meine. Manchmal ist auch mein persönliches Gebet nicht so „bei der Sache“, als ich es gerne hätte. Aber wenn ich direkt auf dem Weg zu ihm bin, ihn suche und nach ihm „dürste“, lässt er sich immer finden. Möglichweise treffe ich Ihn auch dort an, wo ich ihn gar nicht vermute. Wie es schon der amerikanische Komiker George Carlin ausfrückte: „Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn.“ Klopfen Sie heute Nachmittag bei einem Verwandten im Dorf / in der Stadt oder beim Nachbar an, bringen Sie vielleicht einen Sonntagskuchen mit, fragen Sie nach einem Kaffee und reden sie über die Welt und über Gott. Amen.

 

Kaplan Tommy Reißig.

Zeitungsquellen: Matthias, Kemter, Totale Mondfinsternis am 3. März. Kein „Blutmond“ für Deutschland, URL: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.vollmond-mondfinsternis-maerz-2026-mhsd.a09f8c49-9024-44f0-846f-9eeb0e1abea5.html (letzter Zugriff: 06.03.2026).

Quelle des Zitates: https://beruhmte-zitate.de/themen/mond/

Bild: Wunibald Wörle, in: Pfarrbriefservice.de