Predigt zum 4. Fastensonntag – Mit Geduld und …

 

Liebe Schwestern und liebe Brüder!

Gehen Sie momentan auch lieber auf Nummer sich? Ich weiß ja nicht, was mich erwartet in den nächsten Tagen! Die Spritpreise werden immer höher. Wenn ich tanken muss, beobachte ich zurzeit über den Tag verteilt doch die Anzeigen an den Tankstellen immer wieder öfter. Die Frage kommt dabei auf: Wieso ist es auf der Welt, bei den Menschen und in unserer Gesellschaft soweit gekommen, dass das Geld regiert und vieles steuert. Warum setzt unsere Regierung nicht ihre Reformideen bei den Spritpreiserhöhungen durch? Die Kriege und Auseinandersetzungen in der Welt erzielen eben einen hohen Preis, menschlich wie auch wirtschaftlich. Die Suche nach dem „Warum kam das so?“ bleibt. Nach dem Ansatz des Evangelienabschnittes, den wir gehört haben, ist es aber die falsche Herangehensweise – macht Jesus Christus deutlich

 

  1. Wer hat denn nun gesündigt?

Die Jünger tappen heute in diese Falle hinein. Es war und es ist eine weit verbreitete Meinung, dass ein Gebrechen ja eine Ursache haben muss. Nicht nur eine jüdische Denkweise, sondern ein allgemein gültiger Tun-Ergehen-Zusammenhang schwingt bei uns Menschen immer wieder mit. Und die Jünger meinen es auch gar nicht böse; sie wollen nur verstehen, was mit diesem blinden Mann los ist. Das leichteste für eine Krankheit und ein Leiden ist natürlich, dass dieser Mensch es verdient hat!

Jesus korrigiert dieses Denken. Das Leit existiert in der Welt und es bleibt schwierig danach zu fragen. Vielmehr kommt es doch darauf an, wie es weitergehen soll. Welche Maßnahmen ich ergreifen kann, um Linderung zu verschaffen. Anstatt zurückzublicken und im Moment untätig stehen zu bleiben, ist doch meine Zukunft entscheidend. Aber ich als Mensch möchte ja immer die Ursache sofort wissen, damit ich alles ganz rational erklären kann. Das ist so, weil mir die Geduld fehlt.

 

  1. Die Geduld auf Probe aushalten können

Mit der Geduld auch Geduld zu haben, ist und bleibt schwierig. Der Blindgeborene hat sie aber bewiesen. Er hat verstanden, dass er sein Schicksal im Augenblich nicht ändern kann. Er zahlt einen hohen Preis. Er kann aus seiner eigenen Kraft heraus nicht sehen, und die Mediziner können ihm nicht helfen. Das hält er aus.

Auf jenen Augenblick allerdings, der nun folgt hat er sicher gehofft und Geduld bewiesen. Jesus geht an ihm vorüber und schenkt ihm Seine Aufmerksamkeit. Und Er gibt ihm einen Teil von sich selbst mit: Speichel. In der Antike galt sie als Heilmitter. Das mag für uns ungewöhnlich und unangenehm klingen und stellt ihn auch auf die Probe. Das Waschen im Teich Schiloach ist keine rituelle Waschung, sondern ein Glaubensbeweis des Blinden. Und er besteht die Probe.

 

  1. Ein hoher Einsatz hat sich gelohnt

Der Teich Schiloach weißt direkt auf den hin, der Heilung bringt – innerlich wie äußerlich. Schiloach kann übersetzt werden mit „der Gesandte.“ Wer dieser ist, können wir alle sagen. Das Leben mit Jesus, der Glaube an ihn und die Geduld mit mir selbst, fordert einen Preis. Dieser Einsatz kann sein, genug Zeit mit Gott zu verbringen und Ihn in den Alltag so zu integrieren, dass es passt; den Glauben auch nach außen hin zu leben; mit und in der Familie zu beten in verschiedenen Formen, und auch Geduld mit sich selbst und mehr noch mit Gott und Seinem scheinbaren Schweigen zu haben.

Die Welt wartet dringend auf etwas Besseres. Am besten noch auf einen gebildeten, schön aussehenden und durchgreifend ordnenden König, wie David. Einer, der sagt, wo es lang geht. Und vor allem einen, auf den man alles schieben kann und unser „Warum?“ immer beantworten muss. Jesus erteilt auch diesem Denken eine klare Absage! Die letzten Tage der Fastenzeit und besonders der Rosensonntag machen uns Hoffnung: Das Dunkel in meinem Leben kann durch die Heilung in der Nähe Gottes und durch Seine Berührung in mir einen neuen, guten Preis bekommen.

Wir fragen gerne nach dem Grund und dem Ursprung eines Vorkommnisses und auch auf die derzeitige Wirkung. Das ist so! Die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunft wollen errungen werden. Wenn ich aber Gott bitte, dass er auch an mir vorübergeht und sich mir einprägt, bin ich nie alleine. Koste es, was es wolle.

Denn mit Geduld und Spucke, ich das Leben wuppe. Amen.

 

Kaplan Tommy Reißig.

 

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