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Predigt Neujahr 2019 "o du fröhliche"

 

Laut und turbulent geht es zu im Lutherhaus in Weimar im Spätherbs 1815.

Seit zwei Jahren sammelt Johannes Daniel Falk Waisenkinder um sich. Er und seine Frau mussten drei Jahre zuvor einen schlimmen Schicksalsschlag verkraften. Vier ihre leiblichen Kinder verstarben während einer Typhusepidemie. Dann - in den Wirren der napoleonischen Kriegen - klopft an einem Winterabend eine Kind, das seine Eltern verloren hat, an die Türe und bittet um Aufnahme. Falk findet eine neue Lebensaufgabe: Er sammelt Kinder, die durch den Krieg zu Waisen geworden sind, gibt ihnen nicht nur eine Obdach, sondern will sie zu guten Menschen erziehen. Jetzt sitzt er am Schreibtisch mitten im Toben der Kinder und schreibt ein einfaches Lied. Es soll ein Lied werden, das in kurzen Sätzen den Sinn der drei Hauptfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten erklärt, ein „Allerdreiteiertagslied“. 1819, so ist es auch in unserem Gotteslob angegeben, also vor 200 Jahren. Erst zehn Jahre später für ein Krippenspiel werden die beiden Oster- und Pfingststrophen durch zwei Strophen ersetzt, die das Weihnachtsgeschehen noch mehr erklären. Fertig ist eines unserer beliebteste Lieder in dieser weihnachtlichen Zeit.

 

 

„O Du fröhliche“ ist neben „Stille Nacht“ das Weihnachtslied der Deutschen. Bildet „Stille Nacht“ den romantischen Übergang in die Mitte der Nacht der Geburt Christi hinein und darf am Ende der Christmette, selbst wenn es sich um die Kindermette um 16.00 Uhr handelt, keinesfalls ausbleiben oder gar gesungen werden, nicht vorher alle Lichter gelöscht sind, so begleitet „O Du Fröhliche“ ab dem Christtag, dem ersten Feiertag, die Gemeinde, die Geburt ihres Herrn feiert, zumindest bis zum Hochfest Dreikönig, wenn nicht oft so gar länger. Es scheint wirklich kindlich naiv die Freude des Weihnachtsfestes zu besingen. Die Fröhlichkeit, die wir von spielenden Kindern unter dem Weihnachtsbaum kennen, und die Seligkeit glücklicher Eltern, wenn sie ihre Kinder mit strahlenden Augen vor dem weihnachtlichen Zauber sehen, bilden gleichsam den anrührenden Rahmen für die drei Kernbotschaften der Menschwerdung Gottes. Drei kurze Aussagen beschreiben die Dramatik, den Grund und die Folgen des Geschehens von Bethlehem.

 

1. Welt ging verloren - Christ ist geboren

2. Christ ist erschienen um uns zu versühnen

3. Himmlische Heere jauchzen dir Ehre

 

Drei kurze Blitzlichter, die die Weihnachtserzählungen der Evangelisten in Kernthesen zusammenfassen. Sie sind sicher keine hohe Theologie und nicht kunstvoll überlegte liturgische Texte. Aber heute am Oktavtag von Weihnachten schließen sie nochmals das Geheimnis der Menschwerdung Gottes auf und können auch Gedanken der Ermutigung der kommenden Tage und Monate enthalten.

 

1- Unsere Welt ging uns verloren, darum ist Christus geboren

 Wir haben den Kampf um die Welt verloren. - Die Bilder von Tsunamis, Zyklonen, Überschwemmungen, Dürrekatastrophen zeigen eindringlich, bedrohlich die Veränderungen des Klimas, die zunehmende Anzahl von Naturkatastrophen und das Schmelzen des einmal „Ewigen Eises“ an den Polarkappen. Zu den Bildern des Jahres 2019 gehört sicher in vorderster Reihe das zornige Gesicht einer jungen Schwedin, Greta Thunberg, bei ihrer Wutrede vor dem UN-Klimagipfel in NewYork. In Lohr dürfte eines der bleibenden Bilder das von einer von hunderten von Menschen, v.a. Jungen Menschen, besuchte Demonstration im Rahmen der Friday for Future-Bewegung sein. Man kann über Greta Turnberg und die Art, wie manche ihren Protest ausdrücken, streiten. Aber kaum ein Ereignis zeigt uns doch eindrücklicher, wie hilflos wir Menschen geworden sind angesichts des Schadens, den wir selbst der Welt zugefügt haben. Die Erde ging uns verloren. Für viele ist das Ende der Zeit angebrochen.

 

Der Galaterbrief schätzt die Situation etwas anders ein: „In der Fülle der Zeiten wurde Christus geboren“, sagt Paulus. Nicht dass die Situation der Menschheit vor 2000 Jahren irgendwie rosiger war. Man hatte nicht solche Mittel, die Schöpfung zu schädigen, aber zimperlich sind die Römer mit Rohstoffen und der Erde nicht umgegangen. Der Friede unter Kaiser Augustus war sicher eine Zeit der Erholung für viele vom vorausgehenden Bürgerkrieg Roms betroffene Landstriche, aber keineswegs eine Zeit der Freiheit und der Hoffnung. Fülle der Zeit war es nicht, weil alles gut war, sondern weil Gott die Zeit beenden wollte, in der der Mensch unter dem Gesetz wie ein Sklave war. Es geht nicht um einen bestimmten Zeitpunkt in einem besonderen Jahr, sondern um die Absicht Gottes, uns Menschen immer mehr zu freien und mündigen Kinder Gottes zu werden, Menschen, die nicht in Angst vor der Zukunft leben und aus Angst leben, sondern in freier Verantwortung ihre Zeit gestalten.

 

Erfüllte Zeit ist auch dieses neue Jahr. Die Bedrohung wird nicht weniger. Wir dürfen kaum annehmen, dass plötzlich alles gut wird in dieser Welt. Uns werden Naturkatastrophen und die Untätigkeit der Politik auch 2020 in Atem halten. Es ist kaum zu erwarten, dass es den großen Durchbruch für Klima, Frieden und Gerechtigkeit in der Weltgemeinschaft gibt. Wahrscheinlich auch nicht für unser Leben. Und doch ist es gute Zeit. Zeit, die von Gott geschenkt und gesegnet ist, Zeit, die wir nicht fürchten müssen, sondern in der wir alle Möglichkeiten haben, Gutes zu tun und verantwortlich zu handeln.

 

2. Christ ist erschienen, um uns zu versühnen

Manchmal verbinden wir mit dem Auftreten eines besonders charismatischen Politikers große Hoffnung auf einen neue Zeit: Verkrustetes in der Politik und in der Gesellschaft soll aufgebrochen werden, neue Wege gegangen. Ich denke zurück an den Amtsantritt des US Präsidenten Barack Obama im Januar vor 10 Jahren. Wie viele Hoffnungen haben nicht nur die Amerikaner mit seiner Präsidentschaft verbunden. Das Nobelpreiskomitee hat ihm schon gleichsam als Vorschusslorbeeren im ersten Regierungsjahr den Friedensnobelpreis zuerkannt. Die Ernüchterung folgte schnell und mündete in der Wahl des so konträren neuen Präsidenten Donald Trump. Große Hoffnungen wurden enttäuscht. Das ist wie ein Kehrvers der Weltgeschichte. Von Augustus hat man sich eine goldene Epoche erhofft, die schnell endete als sein rachsüchtiger und misstrauischer Adoptivsohn Tiberius die Regierung übernahm und grausame Verfolgungen gegen alle vermeintlichen Verschwörer lostrat. Auf wen setzen wir in unserer Hoffnung auf eine gute Zukunft?

Gustav Heinemann, der ehemalige Bundespräsident, hat unsere Hoffnung richtig zusammengefasst:

„Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt.“

Lukas setzt nicht auf Augustus, auch wenn er ein gebildeter Historiker ist. Der große Kaiser, dein seine Zeit als Heiland verehrte, wird für ihn zum Statisten in der Geschichte des wahren Heilands, eines Kindes in einer Krippe: armselig und nackt, schutzlos und ohne Macht. Was kann man von diesem Kind, zu dem uns die Hirten führen, erwarten?

Einen neuen Politikstil? Wohlstand für alle? Frieden auf dem Erdkreis?

Das Bild, das wir in allen Krippenszenen vor Augen haben, lässt diese Luftblasen platzen.

Nein, kurzfristige Lösungen unserer Probleme wird dieses Kind nicht bringen, da haben auch seine Jünger schnell ihre Vorstellungen ändern müssen.

Das Lied sagt uns: „Christ ist erschienen um uns mit Gott zu versöhnen“

Waren wir mit Gott im Streit? Wohl eher mit uns selbst als seinem Abbild, und so mit ihm.

Das Faszinierende an Weihnachten. Gott lässt sich in seiner Menschwerdung ein auf all das Begrenzte und Schwache, das zum Menschsein gehört, v.a. auf seine Endlichkeit. Das ist das Eigentlich Unversöhnbare im Menschen: Wir sind Wesen mit Fähigkeiten, Denken, Idee und Kreativität, aber wir können sie gar nicht alle Entfalten, weil wir zeitlich begrenzte Wesen sind. So viele Pläne und Möglichkeiten, die daran scheitern, dass wir nur eine bestimmte Zeitspanne haben und immer mehr Zeit und damit Welt verlieren,

Aber genau dieses Leben nimmt Gott in Jesus an. Das Kind von Bethlehem wird nicht alt werden. Man raubt ihm das Wertvollste, was wir haben: Zeit. Aber genau in dieser begrenzten Lebenszeit Jesu gewinnt er für uns das Leben. Da kommt wieder der Ursprungsgedanke von Johannes Falk: Sein Lied ist ein Lied für alle drei Feste. Weihnachten strömt auf Ostern zu und vollendet sich in der Sendung seines neuen Geistes an uns.

Auch 2020 ist Zeit, die wir verlieren werden: Schon jetzt die ersten Stunde. Es wird uns wie 2019 gehen und wir werden am Ende fragen: Wo ist die Zeit hin? Und warum zerrinnt sie uns so schnell? Diese Frage beschäftigt uns doch letztlich nur, weil wir wissen, dass wir nur eine begrenzten Anzahl von Jahren haben, letztlich nicht wissen, ob es nicht schon dieses Jahr ist, in dem sich unser Schicksal vollendet.

 

Jesus versöhnt uns mit Gott, von dem wir nichts mehr wissen wollten. Und der versöhnt uns mit unserem begrenzten Leben. Am Anfang des neuen Jahres preisen wir eine Zeit, die schon eine Woche läuft. Wir erinnern uns daran, dass 2020 aus dem Moment kommt, als die Fülle der Zeit gekommen war, dass es ein Jahr ist, das aus der Geburt Jesu entspringt, ein Jahr des Herrn. Das traut man sich nicht mehr zu sagen. Heute sprechen wir einfach vom Jahr 2020 unserer Zeitrechnung, um niemanden, der unseren Glauben nicht teilt, zu provozieren. Aber der Gedanke, dass es ein Jahr des Herrn ist, heißt ja auch, dass es aus der Quelle des Ewigen kommt und nicht einfach verschwindet und mit ihm unsere Freude und unser Leid dieser kommenden Tage, sondern dass es aufgehoben bleibt. In einem Lied betet Jochen Klepper zu dem, der Unsere Zeit in Händen hält“ und bittet:

Wer ist hier, der vor dir besteht?
Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht:
nur du allein wirst bleiben.
Nur Gottes Jahr währt für und für,
drum kehre jeden Tag zu dir,
weil wir im Winde treiben.

 Unsere Tage, die schönen voller Glück, die schweren und die vergeudeten kehren zu Gott zurück. Darum dürfen wir versöhnt in in ihnen leben.

3. Himmlische Heere jauchzen dir Ehre 

Und schließlich erinnert uns Falk in seinem Lied an den Jubel der Engel auf den Feldern in Bethlehem. „Himmlische Heere jauchzen dir Ehre“

Der Himmel ist wieder interessant geworden für uns Erdlinge, das ist die Große Neuigkeit an Weihnachten. Seit der Himmlische die Erde betreten hat, sie geheiligt hat und zu seinem Wohnort machte, seit dem sind wir hier nicht allein gelassen und uns selbst überlassen. Leben heißt seit Weihnachten und Ostern nicht mehr, jeden Tag um sein Glück, um sein Überleben kämpfen zu müssen.

Der Himmel wird interessant, weil der Himmlische hier Spuren hinterlassen hat auf unserer Erde und in unserem Leben, die uns daran erinnern, dass wir unterwegs sind zur großen, ewigen Heimat, auch in diesen Tage.

Wir alle, das unterstelle ich jetzt einfach, haben Spuren Gottes schon entdeckt: große Politische Veränderungen wie der Mauerfall vor 30 Jahren, aber auch im eigenen Leben. Die Rückschau fragt uns doch immer: „Wie viel Grund habe ich für die Führung Gottes in meinem Leben zu danken“ Der Himmel hat Interesse an mir, nicht erst wenn ich da sein werde, sondern schon jetzt in dieser Erdenzeit. Unsere Gegenwart 2020 ist Zeit der Hoffnung, die uns mit vielen Spuren auf den hinweisen, in dessen Namen die Engel auf den Feldern von Bethlehem erschienen sind. Sie singen ihm zur Ehre und verkünden uns die Möglichkeit des Friedens, den Frieden mit uns, mit den Mitmenschen, mit der Umwelt, mit unserem Schicksal, den wir uns auch für 20202 wünschen.

Mit dem sicher etwas naiven Weihnachtslied von Johannes Flak gehen wir nicht blauäugig in dieses Jahr. Es ruft zur Freude auf und bringt uns gleichzeitig konzentriert das Wesentliche, das auch in diesem Jahr geschehen wird, in Erinnerung:

Wir leben in einem Jahr, in dem wir alle Möglichkeiten haben, das Beste zu erreichen

Wir leben in einem Jahr, das nicht davonläuft, sondern zum Ewigen zurückkehren wird.

Wir leben in einem Jahr, in dem Gottes Spuren auch in unserem Leben erkennbar sein werden.

 

Dass das unser Jahr, unser Leben in ihm, zuversichtlich prägen möchte, dazu schenke uns Gott seinen Segen. Amen.

„Noch mal davongekommen“ - so bilanziert die ZEIT in ihrem Leitartikel der letzten Ausgabe das Jahr 2019. Und der Autor Heinrich Wefing schreibt als Rückblick auf die vergangenen 365 Tage: „Die Knie zittern, die Dämme halten. Die befürchteten Katastrophen sind 2019 ausgeblieben. Ein Grund zu feiern. Und ein Grund, sich weiter ins Zeug zu legen.“

Ein ziemlich nüchterne und auch abgeklärte Bilanzierung dieses Jahres, das in seinen letzten Zügen liegt. Der Autor begründet seine Gelassenheit mit ein paar Fakten aus dem politischen Geschehen:

Die AFD ist nirgendwo in der Republik stärkste Kraft in einem Parlament geworden

Die große Koalition hält immer noch

Der Brexit kommt, aber nicht so hart, wie es lange Zeit zu befürchten war.

Und v.a. Donald Trump hat, so das Zitat, „selbst nach seinen Maßstäben, jede Menge Hass und Unfrieden gestiftet, aber die Institutionen halten tapfer dagegen, … und Trump hat, immerhin, dann doch keinen ganz großen Krieg angezettelt, nicht gegen den Iran, nicht gegen Nordkorea, nicht gegen China.

Politisch gesehen muss man tatsächlich für unser Land sagen: Das Schlimmste ist ausgeblieben.

Dem werden sich auch die Bischöfe mit Blick auf die Lage der Kirche anschließen.
Die Austrittszahlen sind hoch, das Problem des Missbrauchs und und die Personal- und Strukturprobleme in den Diözesen groß, aber nicht so gewaltig, dass man wirklich ernsthaften Willen zur Reform zeigen muss. Noch reichen ein paar Krokodilstränen und betroffene Zusicherungen, um den großen Exodus aus der Kirche noch abzuwehren.

Denken Sie auch, dass es 2019 hätte schlimmer kommen können?

Vielleicht hatten Sie Befürchtungen am Anfang des Jahres, dass in diesen Monaten ein naher Mensch sterben könnte, dass in einer Beziehung das Schlimmste eintritt und sich vielleicht Kinder oder Enkelkinder trennen, dass der Arbeitsplatz angesichts kriselnder Bereiche in unserer Wirtschaft nicht mehr sicher ist. Möglicherweise haben sich Menschen zusammengerauft und halten es doch noch miteinander aus. Es gibt Kurzarbeit, aber noch ist der Arbeitsplatz sicher. Ein naher Mensch wird nicht gesund, aber er ist noch da.

Oder aber Sie haben doch das Schlimmste erfahren:
Jemand in der Familie wurde ernstlich krank, dass die Sorge um ihn /sie das ganze Jahr überschattet hat, ein junger Mensch findet einfach keinen Halt im Leben und rutscht immer weiter ab, die eigene Lebenssituation wird durch den Verlust eines nahen Menschen, durch eine Depression, durch eine Krise sinnlos.

Sicher teilen z.B. die Menschen in Christchurch und die Christen in Sri Lanka die Meinung nicht, dass das Schlimmste ausgeblieben ist. Sie mussten in diesem Jahr das Unvorstellbare erleben als Terroranschläge in Neuseeland zwei Moscheen und auf Sri Lanka mehrere Kirchen und Hotels zum Ziel von Terroranschlägen wurden. Ähnlich werden Juden in Halle empfinden, die im Oktober einen Angriff auf ihre Synagogen erleben mussten. Das Schlimmste haben auch Menschen in Mosambik und Simbabwe nach dem Zyklon Idai und den folgenden Überschwemmungen erlebt. Die Liste ließe sich beliebig weiterführen: Das Erdbeben in Albanien, die Waldbränder im Amazonas und Südostasien. Für Wikipedia, die Online-Bibliothek, sind das die die herausragenden Ereignisse des Jahres 2019 und nicht die manchmal Lächerlichen Entgleisungen von Donald Trump, die durch die mediale Ausschlachtungen vielen weit mehr in Erinnerung bleiben werden.

Was also stimmt jetzt? Ist eine Haltung „Wir sind noch mal glimpflich davongekommen“ nicht eine Art Galgenhumor, weil wir ja wissen, 2020 könnte es dann doch eintreten, was wir befürchten?

 

Ganz sicher gibt es keine allgemein verbindliche Bilanz für ein Jahr. Aber der Rückblick sagt uns, dass wir oft mit mehr Ängsten als Hoffnungen in ein neues Jahr starten. Das es uns auf allen Ebenen, persönlich und politisch, leichter fällt, pessimistisch zu sein anstelle von Optimismus. Vielleicht kann uns ein Jahr wie 2019 mit seinen Höhepunkten und Tiefschlägen auch eine Gelassenheit lehren für das kommende Jahr.

 

Wir Christen haben zur Zeit noch eine besondere Einstellung. In der Lesung des heutigen Altjahresabend hören wir scheinbar sehr bedrohliche Worte vom Ende. Zunächst einmal könnten wir ja ganz entspannt sagen: Für uns Christen hat das neue Kirchenjahr schon vor einigen Wochen begonnen am ersten Advent. Eigentlich müsste uns dieser Altjahresabend gar nicht groß interessieren. Aber weil wir nun mal überzeugt sind, dass Gott nicht der Besitz der Kirchen ist, sondern vielmehr, dass ihm Zeit und Geschichte gehören, darum kann uns das menschliche Empfinden in so einem Augenblick nicht egal sein.

Eine christliche Haltung zur Zeit, die geht und die kommt, ist vielleicht am besten in die polare Spannung zu fassen „mit Ernst, aber ohne Angst“.

Mit Ernst sehen wir in unserer Zeit wie das Gute und das Böse in einem Dauerkonflikt stehen auf allen Ebenen, in uns, im Zusammenleben in unserer Stadt und in unserem Land, ebenso wie in der Welt. Wir erleben unvorstellbare und sinnlose Gewalt, die Menschen einander antun, weil sie Fremdes als Bedrohung empfinden, weil sie Lust an der Zerstörung haben, weil sie jegliche Hemmungen verlieren. Aber wir sehen auch wie Menschen neu ihre Verantwortung entdecken für die Schöpfung. auch das ist ein Zeichen der Hoffnung, das von 2019 und den Fridays for Future ausgeht. Wir sehen, wie junge Menschen wieder die Lust entdecken, Gutes zu tun und nicht nur Erfolg zu haben, sondern sich engagieren in Hilfsorganisationen, nach Afrika gehen und in Waisenhäuser mitgehen. Wir erleben, wie Getaufte dem scheinbaren Naturgesetz von Untergang in der Kirche ihre ganze Kraft entgegenstellen und kreativ den Glauben weitergeben.

Nichts ist ganz rein. Es ist eine menschliche Urerfahrung, dass immer dann wenn wir zum Aufbruch zu Neuem bereit sind, sich uns Kräfte entgegenstellen, die Widerstand leisten und uns ausbremsen wollen: Ängste, Zweifel, Neid, Egoismus. Sie fordern uns heraus, unser Leben nicht einfach als einen großen, trägen Fluss zu verstehen, sondern uns immer neu für das Gute zu entscheiden. Und wie wir zugleich gerade in Schwierigkeiten Kräfte erfahren, manche sagen, dass wir sie entwickeln, an die wir selbst nicht geglaubt haben.

Ich habe schon bei anderer Gelegenheit daran erinnert, dass vor genau 75 Jahren ein Gedicht entstand, das ein Kenner als „das geistliche Gedicht des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet hat: Von guten Mächten“. Dietrich Bonhoeffer, sein Autor, hat es einfach überschrieben „Neujahr 1945“: In einem Brief an seine Verlobte Maria von Wedemayer nennt er es einfach beiläufig ein paar Verse, die er seinem aus dem Gestapo geschmuggelten Adventsbrief anhängt. Wir spüren aber in den Worten eine faszinierenden Gelassenheit, geprägt von einem großen Vertrauen in Gott, die diesen Häftling im Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße beseelen. Bonhoeffer ahnt wohl, dass es sein letztes Weihnachten, fern von der Familie sein wird. Sein Weg wird ihn im kommenden Jahr 1945 tatsächlich in das Schlimmste führen, in den Tod, die Hinrichtung in Flossenbürg am 9. April 1945.

(für das Folgende vgl. Wolfgang Huber, Dietrich Bonhoeffer. München 2019)

Er scheint ohnmächtig, den bösen Mächten ausgeliefert, die „letzte Stunde“ kommt unausweichlich. Und doch sieht er die „guten und treuen Mächte“, die ihn bisher umgeben haben und weiter für ihn da sein werden. Das sind ganz konkrete Kräfte: Seine Familie, seine Eltern v.a. und seine Verlobte, die alle Kanäle nutzen, um dem Gefangenen Essen, Wäsche, Bücher zukommen zu lassen. Und er weiß, dass da noch eine viel stärkere Macht ist, die immer schon in seinem Leben aufgeschienen ist und die jetzt in der Bedrängnis ihn nicht im Stich lässt. Seiner Verlobten schreibt er über seine Situation:

„Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen. So habe ich mich noch keinem Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du, die Eltern, ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mit immer ganz gegenwärtig…. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: zweie, die mich decken , zweie, die mich wecken.“, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder. Du darfst also nicht denken, ich sei unglücklich.“

Aus dieser Erfahrung heraus fand Bonhoeffer die Kraft für seine stillen und zuversichtlichen Zeilen. Und deshalb beeindrucken sie uns auch heute noch so stark.

Wir müssen nicht das Schlimmste erlebt haben, aber diese Urerfahrung, die Bonhoeffer an den Anfang seines Gedichtes stellt, spiegelt wieder, wie wir Christen an diesem Altjahresabend Abschied nehmen dürfen vom Vergangenen:

 

„Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar, -

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

Das darf unsere Sicht auf 2019 sein und unsere Hoffnung 2020: Wir sind nicht einfach davongekommen. Wir sind getragen von guten Mächten treu und still und behütet, was auch kommen mag. Amen.

Sind Familien die Problembären unserer Zeit oder der Glücksfall im Leben eines Menschen?

Predit zum Fest der Heiligen Familie 2019

Predigt am Fest des HEiligen Stephanus 2019

Predigt Fest des Heiligen Stephanus 2019

„Paris - Colombo“

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Zunächst ein Blick zurück auf Ostern 2019. Gleich zu Beginn der Karwoche die unvorstellbaren Bilder: eines der schönsten Gotteshäuser dieser Welt steht in Flamme. Durch eine Unachtsamkeit

wird die Kathedrale Notre Dame in Paris ein Raub des Feuers. Lange ist nicht klar, ob dieses Meisterwerk der französischen Gotik jemals wieder hergestellt werden kann.

Fünf Tage später, Ostern, 8.5000 km südöstlich in Sri Lanka. Innerhalb weniger Minuten werden mehr als 250 Menschen, v.a. Christen, Opfer von Terroranschlägen auf Kirchen und Hotels während der Osterfeierlichkeiten.

Weihnachten 2019:
Der Erzbischof von Colombo hat entschieden, die Mitternachtsmesse an Weihnachten in der Kirche St. Sebastianus in Negombo zu feiern, einer jener Kirchen die Ziel der Anschläge wurden.

Der Erzbischof von Paris gibt bekannt, dass in diesem Jahr erstmals seit 1803 keine Weihnachtsgottesdienste in der Kathedrale Notre Dame gefeiert werden. Die Kirche ist in der französischen Revolution schwer gedemütigt worden: Man machte sie zum Weinkeller und zum Viehstall. Dann aber wollte Napoleon, dass sie wieder das zentrale religiöse Zentrum seines Kaiserreiches wird. Und seit dieser Zeit wurden unterbrochen alle großen Feste durch die Erzbischöfe in ihr gefeiert.

Der Erzbischof von Colombo, der der Regierung beschuldigte, untätig geblieben zu sein und die Attentate nicht verhindert zu haben, beschreibt die Situation seiner Christen vor Weihnachten und erklärt warum er den Gottesdienst in einer dieser Orte des Terrors feiert so:

 

„Sie haben natürlich schon Angst. Aber die Priester und die Gläubigen haben auch ein Bewusstsein dafür, dass Weihnachten zelebriert werden muss.“ Noch immer also überwiegt die Angst bei den Christen in Sri Lanka. Aber es wäre undenkbar, auf die Feier der Weihnachtsgottesdienste zu verzichten.

Natürlich erinnern uns die Christen in Sri Lanka daran, dass dass Christen weltweit noch immer die religiöse Gruppe bilden, die am stärksten verfolgt wird und unter staatlichen Repressalien und Terror durch fanatische Gruppen zu leiden haben. Derzeit herrscht die größte Christenverfolgung aller Zeiten. Mehr als
200 Millionen Christen leiden unter einem hohen Maß an Verfolgung, weil sie sich zu Jesus Christus bekennen. Sie stehen in direkter Nachfolge des Erzmärtyrer Stephanus. Wenn wir traditionell an seinem Fest auch den Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen begehen, dann geschieht zweierlei. Wir nehmen das Leid unserer christlichen Brüder und Schwestern wahr und übernehmen auch Verantwortung in dem wir unsere Politiker darauf hinweisen, dass es für uns Christen nicht zu akzeptieren ist, dass wirtschaftliche Beziehungen mit Ländern gepflegt werden, u.a. auch China, in denen Christen bedrängt und verfolgt werden. Auch wenn wir hier nicht verfolgt werden, wir stehen in Verantwortung, das uns Mögliche zu tun, mitzuhelfen, dass der Druck auf sie geringer wird.
Zugleich aber gilt es auch mit Blick auf die Worte des Erzbischofs von Colombo nicht nur mitleidend und solidarisch zu sein, sondern uns auch von ihnen inspirieren zu lassen. Wie Stephanus bleiben sie ihrem Glauben selbstverständlich treu, weichen nicht, feiern Weihnachten trotz der Gefahr, weil sie einfach Weihnachten feiern müssen. Die Kraft gibt ihnen der Glaube an Gott, der in der Nacht der Welt Mensch wird und sich von Anfang an als Kind schon der Gefahr aussetzt. Vielleicht fragen sie uns heute auch wieder, jetzt, wo viele nicht mehr da sind, die das Weihnachtsfest v.a. mit Harmonie, Romantik und Familie verbinden, was uns unser Glaube wert ist und wie viel wir bereit sind für unseren Glauben einzusetzen.
Zu Recht hat Kardinal Woelki denen, die ständig vor einer Islamisierung Deutschlands warnen, entgegen gehalten, dass unser Land um so islamischer wird, je weniger es christlich ist.

Wir haben es selber in der Hand, ob christliche Werte und Traditionen unser Land weiter prägen. Verschwinden sie, bleibt eine Leere, die andere Religionen, Weltanschauungen und Ideologie füllen werden.
Aber das ist nicht nur eine Gefahr von außen. Dafür steht für mich das Bild von der zerstörten Kathedrale Notre Dame in Paris. Menschliches Versagen, nicht Terrorismus, Anschläge oder Feindschaft haben diesen Brand verursacht. Wenn der Papst ins einer Weihnachtsansprache darauf hingewiesen hat, dass das Christentum weltweit auf dem Rückzug ist, dann liegt das auch an den Christen selbst.

Der Redakteur der FAZ, Daniel Deckers, deutet das sehr richtig, wenn er in der Weihnachtsausgabe über die traurige Nachricht, dass keine Weihnachtsgottesdienste in Notre Dame sein werden, schreibt:

Die Flammen, die aus Dach- und Glockenstuhl der mittelalterlichen Kathedrale schlugen, waren in ihrer Symbolik mehrdeutiger. Für manch einen drohte einem Meisterwerk abendländischer Architektur die unwiderrufliche Zerstörung. Für andere erschöpfte sich die Symbolik dieses Bauwerkes nicht darin, ein universal verständliches Wahrzeichen des christlichen Abendlandes zu sein. Als das Feuer das Gebälk des wie ein Pfeil in den Himmel ragenden Vierungsturms verzehrte und die Spitze ihren Halt verlor, schien sich die Kathedrale in ein Wahr-Zeichen anderer Art zu verwandelt: des Transzendenzverlusts der westlichen Gesellschaften.

 

Und weiter schreibt er, und das macht mich nachdenklich:

Dabei sind die Kirchen hierzulande weder ein Opfer einer „Diktatur des Relativismus“ (Joseph Kardinal Ratzinger) noch eines aggressiven Laizismus. Wie in vielen anderen Ländern auch sind es in Deutschland die Christen selbst, die ihren Kirchen im eigentlichen wie im übertragenen Sinn den Rücken kehren. Erklärungen sind schnell bei der Hand. Von Individualisierung der Lebensstile ist die Rede, von Pluralisierung der Sinnangebote, von Urbanisierung und vielen anderen -ismen mehr. Falsch sind diese Hinweise nicht. Doch an der Spitze wie an der Basis der verfassten Kirchen wird die Entwicklung der Kirchenaustrittszahlen mitunter so hingenommen, als gehorchte sie einem Naturgesetz. Von dort ist es nicht weit zu den „Immobilienprojekten“ von heute, mit denen über die Kirche von morgen entschieden wird.“ (FAZ v. 25.12.2019)

Das gibt schon zu denken. Ergeben wir uns vielleicht in ein scheinbar unvermeidbares Schicksal und schieben gleichzeitig die Schuld auf äußere Faktoren, auf eine eingebildete Kirchenfeindschaft in der Gesellschaft, die uns legitimiert, untätig zu bleiben und statt kreativer Ideen uns in Strukturdebatten zu verlieren.

Der Erzbischof von Paris hatte übrigens eine sehr eindrucksvolle Idee. Statt in eine andere Kirchen auszuweichen, feierte er die Gottesdienste zu Weihnachten in einem Zirkuszelt.

Im Zirkus Gruss, der im Park Bois de Boulogne im Westen der Hauptstadt Quartier macht, versammelten sich in der Nacht zum Mittwoch rund 2500 Gläubige, wie der Radionachrichtensender Franceinfo berichtete.

Erzbischof Michel Aupetit hat wohl verstanden, dass es nicht zuerst darum geht, Bauwerke zu ersetzen, sondern Seelen zu retten und Menschen für die Weihnachtsbotschaft zu gewinnen, eben auch an ungewöhnlichen Orten, die sonst der Unterhaltung und Abwechslung dienen.

Wir haben wenig Ideen wie wir dem geistlichen Hunger der Menschen, der da ist, begegnen können, und diskutieren über Strukturen, Reformen und Personal. Eigentlich ginge es mehr darum, dass wir wieder wahrgenommen werden als Menschen, die der Geist des Mensch gewordenen Gottes antreibt und die seine Menschenfreundlichkeit bezeugen. Die eine innere Freiheit gegenüber der Welt und ihren Gesetzen ausstrahlen und so zeigen, dass nicht zwangsläufig sein muss was wir als Spirale von Ungerechtigkeit, Leid und Gewalt heute so hinnehmen.
Stephanus sagt: Ich sehe den Himmel offen. Kirchen an Weihnachten 2019 stehen vor der Herausforderung in dieser Welt zu leben und trotzdem den Menschen den Himmel offen zu halten. Das können uns die beiden Bilder aus Negombo und Paris sagen. Amen.

Das Hochamt am Weihnachtstag gestaltete die Kantorei mit der Messe "vidi spexiosam" von Thomas Ludovico da Vittoria. Pfarrer Johannsen legte die Weihnachtsbotschaft ausgehend vom Schlagwort "Raus aus der Komfortzone" aus.

Predigt in der Christmette 2019:

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Liebe ist verschenkte Zeit.

Der Evangelist Lukas und ein neugieriges Kind führten in diesem Jahr durch das Krippenspiel in der Stadtpfarrkirche. Aufgrund der schlechten Wetterprognosen fand die Feier in diesem Jahr erstmals wieder gänzlich in der Kirche statt. In seiner Begrüßung erklärte Pfarrer Johannsen den vielen hundert Menschen in der vollbesetzten Kirche, dass auch der Kirchenraum daran erinnert, dass Bethlehem überall ist. Auch Lohr wird zum Ort, an dem Jesus geboren werden konnte. Viele Kinder beteilgiten sich wieder am Krippenspiel, in dem der Evangelist Lukas einem Kind erklärte was damals vor 2000 Jahren in Nazareth und Bethlehem geschehen war. In seiner Predigt fragte Pfarrer Johannsen, ob alle Kinder lieb waren, so dass sie damit rechnen können, dass sie vom Christkind beschenkt werden. Er erklärte, dass Gott seine Liebe schenkt nicht als Belohnung für unser braves Verhalten, sondern ohne Erwartung. Er macht uns Menschen fähig, andere zu lieben ohne Berechnung.

Die Mütter der Kinder des Krippenspiels verteilten im Anschluss das Friedenslicht von Bethlehem.
Musikalisch wurde die Feier gestaltet von den Bläsern des Spielmannszuges und dem Kinderchor der Pfarrei unter Leitung von Kantor Alfons Meusert

Maria! Josef! Das Jesuskind! Schnell fallen die Antworten der Kinder aus der Kita St. Pius auf die Frage, welche Figuren unbedingt in eine Krippe gehören. Natürlich dürfen auch die Hirten, Ochs und Esel und die Könige nicht fehlen. Aber ein Waldarbeiter? War der auch dabei als Jesus geboren wurde. Als Pfarrer Johannsen die Figur des knorrigen Forstarbeiters hochhebt, herrschen zunächst Zweifel. Dann aber erklärt er, dass Lohr eine Stadt mit sehr viel Wald ist und deshalb von Menschen aus der Stadt, die im Forst arbeiten, diese Figur gestiftet wurde. Auch der Fischer wird nicht in der Bibel erwähnt, aber in der Lohrer Tradition spielt die Flussschifffahrt und die Fischerei eine große Rolle. Auf interessierter Ohren stoßen die Erklärung des Pfarrers bei den Kindern aus der Kita St. Pius bei ihrem Besuch in der Lohrer Krippenaussteillung. Er erzählt von der lebendigen Krippe des heiligen Franziskus und wie seit dieser Zeit Menschen versucht haben, das Geschehen in Bethlehem in ihr eigenen Städte und Dörfer zu holen. Mit großen Augen streifen die Kinder mit ihren Erzieherinnen um die Leiterin Christine Dietrich von Krippe zu Krippe und bewundern die große Rhöner Krippe, staunen über die Ostheimer Kinderkrippe und lachen über das Schwein auf dem Grill in einer selbstgebauten Krippe. Mit ihrer Leiterin Christine Dietrich hatte sich die Vorschulkinder und ihre Erzieherinnen aus der Lindigsiedlung auf den Weg gemacht und die Krippenausstellung im Pfarrheim Lohr besucht. Wie sie konnte auch die Kinder der KiTa Seeweg und der Grundschulen Lohr und Sackenbach mehr als vierzig Krippen und die Tradition des Krippenbaus kennenlernen. Und natürlich werden in den Familien auch Krippen gestaltet mit Hund, Katze und vielleicht bald, so die neueste Idee, mit einem Affen auf dem Stalldach.

 

Zum Luziatag am 13.12. luden der Kindergarten Seeweg und die Pfarreiengemeinschaft 12 Apostel wieder zur gemeinsamen Feier in die Stadtpfarrkirche und ins Pfarrheim St. Michael ein.

Pfarrer Johannsen begrüßte die Kinder und Familien und verdeutlichte, wie wichtig das Licht in dieser dunkeln Zeit ist. Gemeinsam wurde die zweite Kerze am Adventskranz entzündet bevor eine Kerze ihre eigene Geschichte erzählte und von ihrer Freude, sich zu verbrennen, um so Licht zu schenken. Die Pastoralassistentinnen Maria-Bernadette Reichert und Agnes Donhauser stellen in einem Interview die Heilige Lucia vor, die als Märtyrerin in Sizilien starb. Besonders bemerkenswert ist ihr Mut und ihre Phantasie, anderen Menschen zu helfen und so Licht in ihr Leben zu bringen.

Das wurde wieder eindrucksvoll deutlich beim Einzug der heiligen Lucia mit den Vorschülern aus der KiTa Seeweg. IN die dunkle Kirche kamen sie mit hellen Lichterkronen und weißen Gewändern. In ihren Händen trugen sie Körbe mit Lusekatter, dem traditionellen Gebäck am Tag der Heiligen Luzia in Schweden. Als Geschenk verteilen die Kinder sie an alle Besucher der Kirche. Im Anschluss ging es zur Märchenstunde ins Pfarrheim und zum Grillen in den beleuchteten Pfarrhof.

Lili Schürr erzählt von ihrem Aufenthalt in Tansania

 
Was tun nach dem Abitur wenn man nicht gleich an die Uni möchte? Manche nutzen die Zeit zum Arbeiten, Reisen oder Ausruhen. Lili Schürr, Studentin aus Lohr, wagte einen anderen Weg. Auf Vermittlung ihrer Tante meldete sie sich bei der Organisation FONELISCO (foundation of new life for Street children and orphans), die in Mwanza in Tansania eine Waisenhaus unterhält. Die Organisation wird von Studenten aus ganz Deutschland getragen und arbeitet ohne staatliche Hilfen. Von Anfang April bis Ende Juni lebte Lili Schürr dort und erzählte nun in einem Bildervortrag vor fünfzig Besuchern von ihren Eindrücken und Erfahrungen. Die herrliche Landschaft in der Nähe des Victoriasee kann nicht hinwegtäuschen von der großen Not, in der viele Menschen im Umland der Stadt Mwanza leben. V.a. Waisenkinder, deren Eltern oft an Aids gestorben sind, finden in Waisenhaus Illemela, das 1997 vom Sozialarbeiter Joseph Elias Mabinga gegründet wurde, Aufnahme. Lili Schürr erzählte von den Projekten und Hilfen, die sie begleiten durfte, aber auch von den alltäglichen Schwierigkeiten in der Organisation und Finanzierung des Projektes. Tiefe Eindrücke hinterließen bei ihr die landschaftliche Schönheit und die Herzlichkeit der Menschen. Mit Phantasie und Einsatz werden die Kinder trotz begrenzter Mittel nicht nur aufbewahrt, sondern gefördert und gebildet. Die deutsche Studentin übte sich auch in die Sprache ein, was ihr den Zugang zu vielen Dingen erleichterte. Dennoch musste sich auch erleben, dass bestimmte Verhaltensweisen und kulturelle Eigenschaften dem europäischen Denken nicht schnell verständlich sind. Begegnungen mit Menschen in Afrika ist immer auch ein Austausch und gegenseitiges Lernen. Angeregt und mit viel Eloquenz erzählte die junge Frau von ihren Erfahrungen und den Erlebnissen, die sich tief in ihre Erinnerung einprägten. Deutlich wurde auch, dass diese Zeit in Afrika auch die eigene Persönlichkeit geprägt hat.

Pfarrer Johannsen dankte Lili Schürr für ihren Vortrag und freute sich darüber, dass junge Menschen bereit sind, freiwillig sich für Projekte zu engagieren, die sich in den Dienst von anderen Menschen stellen. Er war

Familiengottesdienst „Nikolaus“ in Sackenbach

Wenn der Pfarrer den Weihnachtsmann aus der Kirche wirft

 

Lautes Lachen brandete auf als Stadtpfarrer Johannsen beim Familiengottesdienst in Sackenbach den Weihnachtsmann Jürgen Grote aus dem Chorraum warf. Schließlich war nicht er das Thema des Gottesdienstes, sondern der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra und Kinderfreund. An der großen Barockstatue des Heiligen, die aus der Stadtpfarrkirche ausgeliehen wurde, entdeckten die zahlreichen Kinder schnell, woran man den Bischof Nikolaus erkennen kann: Mitra, Bischofsstab und die drei goldenen Kugeln, die davon erzählen, wie er drei Töchtern eines verarmten Kaufmanns half doch noch die Aussteuer für die Heirat zu erlangen.
Das Team der KiTa St. Pius um Christine Dietrich hatte den Gottesdienst vorbereitet und erzählten in der Geschichte vom steinernen Herz, wie ein Kaufmann, dessen Herz versteinert war, durch den Rat des Nikolaus vom armen Reichen zum reichen Armen wurde. Kinder trugen zu den einzelnen Buchstaben des Namens Nikolaus Bitten vor, die den Gottesdienstbesuchern selbst helfen sollten, ein wenig wir Nikolaus zu werden. So baten sie um wache Augen für die Not der Menschen, gute Idee zum Helfen, Liebe zu den Kindern, offene Augen und Ohren, die Fähigkeit leise zu sein, Aufmerksamkeit für Gott, Unruhe für das Kommen Jesus und gute Helfer in allen Sorgen.

Am Ende des Gottesdienstes stellten sich die neuen Kommunionkinder der Gemeinde vor: Sara Elena Heidenfelder, Bastian Grote, Tim Walter, Fabio und Davide Edelmann. Sie brachten einen Weinstock mit ihren Bildern als Symbol für die diesjährige Kommunionvorbereitung und ihren Wunsch, immer mehr in der Freundschaft mit Jesus zu wachsen.
Im Anschluss lud die Pfarrgemeinde zum gemeinsamen Mittagessen ins Pfarrheim in Erinnerung an den Bau des Gemeindezentrums vor 20 Jahren. Kirchenpflegerin Michaela Imhof konnte dazu mehr rund 70 Besucher begrüßen.

Seniorenforum St. Michael feiert Gottesdienst mit Krankensalbung und besucht die Krippenausstellung

 Der letzte Seniorennachmittag eines Jahres wird in der Stadtpfarrei St. Michael in Lohr traditionell mit einem Gottesdienst gefeiert, der verbunden ist mit der Möglichkeit zum Empfang der Krankensalbung. Rund 70 Senioren nutzten diese Gelegenheit. Anschließend lud das Team um Ursel Bauer ein zu Kaffee, Glühwein und Christstollen im Pfarrheim.

Pfarrer Johannsen gab einen Einblick in die Tradition des Krippenbaus. In der Regel setzt man den Beginn der figürlichen Darstellung der Geburt Jesu mit der Initiative des Heiligen Franziskus, der in der Heiligen Nacht 1223 im kleinen Ort Greccio die erste lebende Krippe gestaltete, um so den Menschen zu verdeutlichen, dass Weihnachten nicht nur die Erinnerung an ein historisches Ereignis ist, sondern Einladung, „Gott selbst in uns geboren werden zu lassen.“ Doch bereits vorher gab es ein großes Interesse an Erinnerungen der Menschwerdung Jesu. So barg die wichtigste Marienkirche des Westens, Santa Maria Maggiore, schon früh Reliquien der Krippe Jesu. Besonders die Orden, in der Barockzeit die Jesuiten und Kapuziner, förderten das Aufstellen von Krippen in den Kirchen. Die Botschaft war verständlich: „Gott kann überall Mensch werden.“ Aus diesem Gedanken entwickelte sich auch das Bestreben, das Geburtsgeschehen zu lösen von der Landschaft um Bethlehem und sie in andere Regionen zu versetzen. So entstanden die bekannten neapolitanischen Krippen, die die Geburt Jesu oft zum Randgeschehen werden lassen und große Alltagsereignisse darstellen. Auch die Tradition der Jahreskrippen erklärte der Pfarrer. Er erinnerte daran, dass die Stadtpfarrkirche Lohr lange keine Krippe hatte, da der Marienaltar mit dem großen Weihnachtsbild in der Mitte als Illustration der Menschwerdung Gottes galt. Später kamen Reste der Krippe der Kapuziner in die Kirche. Seit 2012 wird die große Krippe aus Lindenholz von Marion Martin ständig erweitert. In diesem Jahr kommt das Pferd als drittes königliches Tier dazu.
In der diesjährigen Hinausstellung von mehr als vierzig Krippen im Pfarrsaal waren Krippen aus Frankreich, Italien und der Rhön zu sehen. Außerdem konnte Besucher ein mehr als 100 Jahre altes Fatschenkind bestaunen. Viele mit Fleiß und Phantasie hergestellte Krippenlandschaften und Ställe zogen die hunderten Besucher in ihren Bann. Gleichzeitig konnte der Betrag von 600 Euro als Spende für das Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem gesammelt werden.

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