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Predigt 12. Sonntag im Jahreskreis B -

20. Juni 2021 / Pfarrer Sven Johannsen

 Kommt die vierte Welle?

12._Sonntag_2021_die_vierte_Welle2284.pdf

Predigt 11. Sonntag im Jahreskreis

Im Ewigen das Plötzliche“

(zum Jahr der Orgel)

11Organ_2_ASLASP.pdf

 

 

Liebe Schwestern und Brüder

 

die Orgel kann alles, davon bin ich überzeugt. Sie ersetzt ein ganzes Orchester, malt in Tönen das erschreckende Chaos von Walpurgisnächte und im nächsten Moment den Frieden himmlischer Erlösung. Ein Organist kann die Zuhörer überwältigen, sie zu den himmlischen Heerscharen emporheben, sie mit ihnen Gott loben lassen, oder sie in die Abgründe dunkler Ängste jagen. Alles Menschliche erklingt auf ihr: Angst und Freude, Jubel und Verzweiflung, Triumph und Übermut, Gottverlassenheit und tiefer Glaube. „Jeden Extremzustand der Existenz kann eine Orgel erschaffen“ (https://www.zeit.de/2021/10/orgelmusik-sebastian-heindl-kirche-lockdown-virtuose).

Und die Orgel hält länger aus als jedes anderes Instrument. Auf 639 Jahre ist das längste Orgelkonzert der Menschheitsgeschichte angelegt, wenn es am Ende keine Zugabe gibt. Seit dem 5. September 2001 erklingt in der St. Burchadikirche in Halberstadt das Werk des bereits 1992 verstorbenen Komponisten John Cage „Organ2/ASLSP“, was letztlich heißt „As slow as possible“, also „so langsam wie möglich.“ Eigentlich füllt die Komposition nur wenige Seiten. Die Uraufführung dauerte 29 Minuten. Nun erklingt das Werk ohne Unterbrechung gestreckt auf 639 Jahre. Die Initiatoren haben sich gefragt, welche Maßeinheit bedeutet „so langsam wir möglich“)? Sie haben für sich die Antwort gefunden: Die Lebensdauer einer Orgel. 639 Jahre - so lange steht die von Nicolaus Faber gebaute Orgel im Dom zu Halberstadt zum Zeitpunkt des Projektbeginns. Genau diese Spanne wird in die Zukunft gespiegelt und so wird das Stück in acht Teilen noch bis zum Jahr 2640 dauern. Alle paar Jahr findet ein Klangwechsel statt. Am 5. September 2020 kamen zwei Töne hinzu, ein gis und ein e', die nun den bisherigen Fünfklang aus c', des', dis' ais' und e'' ergänzen. Jetzt wird es rasant. Schon am 5. September 2022 sollen die nächsten Töne folgen und schon 2072 könnte der erste Teil beendet sein. Der Klangwechsel dauert nur ein paar Sekunden und wird jedes mal begleitet von hunderten von Zuhörer. Danach klingt der Akkord wieder für mehrere Jahre Tag und Nacht, ob Publikum anwesend ist oder nicht.

 

Das mag jetzt für Sie ziemlich verrückt anmuten. Ist das überhaupt ein Konzert oder Musik und nicht nur eine Tonshow? Was soll das bewirken?

 

Ein Redakteur der ZEIT hat in seinem Bericht die Überschrift gefunden: „IM EWIGEN DAS PLÖTZLICHE“. Zunächst könnte man das als Beschreibung des nur Sekunden dauernden Moments des Klangwechsels verstehen, zu dem hunderte Menschen kommen. Aber das ist ja gar nicht der Kern des Projektes. Nicht der kurze Moment der Ergänzung macht das Werk aus, sondern das Kontinuierliche, das unterbrochen wird vom Wechsel. Erinnern Sie sich einmal, wie die Welt 2013 war, als das letzte mal vor 2020 der Klang sich veränderte. Damals haben wir von Corona noch nicht einmal gehört. In Deutschland wurde ein neuer Bundestag gewählt, im dem erstmals die FDP nicht vertreten war. Barack Obama trat seine zweite Amtszeit an und Papst Benedikt trat zurück. Der Whistleblower Edward Snowden brachte die US-Regierung mit seinen Enthüllungen in arge Bedrängnis. Es gab noch keine Flüchtlingskrise. 2013 war eingebettet in den Fluss der Zeit, der ständig Neues bringt und doch immer gemächlich weiterzieht. Rechnen wir das auf die 639 Jahre zurück seit dem Bau der ersten Orgel in Halberstadt, also die Mitte des 14. Jahrhunderts, dann finden wir uns in einer anderen Welt: Es gab noch keine Spaltung der Kirche in Deutschland, wohl aber die zwischen Ost und West. Die Pest hatte Mitte des 14. Jahrhunderts erbarmungslos gewütet und die Angst eskalierte in gefährliche Pogrome gegen Juden. Es gab im Rückblick viele Katastrophen und Sensationen, in der Relation aber waren sie kurze Augenblicke angesichts einer schieren Ewigkeit von 639 Jahren. Spiegeln wir es in die Zukunft. Wer von uns hat eine Ahnung, was 2640 sein wird? Wir wissen noch nicht einmal, ob wir Herbst nicht erneut vor einem Virus zittern. Das Projekt leitet an zu einer sanften Gelassenheit, in dem es ein Gespür für die Ewigkeit vermittelt, in der doch so viele Umbrüche ihren Platz haben.

Das scheint mir auch für das Verständnis von Glauben ein wichtiger Zugang: Wir atmen Ewigkeit in der begrenzten Zeit. Davon spricht das Evangelium. Der Bauer kann nur säen, das Korn wächst von allein. Er hat keinen Einfluss darauf. Es klingt ein wenig wie die Einsicht des berühmten Bibelverses „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ (Ps 127, 2). Letztlich öffnet Jesus den Zuhörer eine neue Sicht auf Gottes Wirken: Das Reich Gottes ist seit Jahrtausenden schon im Fluss, aber wir haben oft nur wenig Klarheit, wo es sich entdecken lässt. Es gibt das „Plötzlich“ der Nähe Gottes, die in die Ewigkeit der menschlichen Geschichte einbricht. Wir möchten gerne eine Welt, in der alles gut und sicher ist, die wir planen können ohne Katastrophen, ohne Leid, ohne Angst und Schmerzen, aber irgendwie kommen wir nicht voran, so zumindest der Eindruck. Das Heil lässt sich nicht erzwingen. Wir können dafür arbeiten und uns einsetzen, aber letztlich liegt es nicht in unserer Hand, wann alles sich zum Guten wendet. Das Evangelium spricht davon, dass sich schon längst etwas entwickelt, Haltungen und Denken sich verändern, oft durch ein kleine Ereignis, aber mit nachhaltiger Wirkung. Gott ist ein Meister des langen Atems. Er schafft Raum, dass sich das Gute in seiner Schöpfung entwickeln kann. Unsere begrenzte Zeiterfahrung verleitet uns, dass wir alles Gute in unseren Lebensjahren erwarten. Der Glaube lässt uns aber weitersehen und ahnen, dass sich vielleicht erst nach uns das Reich Gottes viel spürbarer zeigen wird als in unseren Tagen. Wir neigen dazu, auch in der Kirche, Allheilmittel zu suchen, mit denen alle Probleme gelöst werden. Unsere Bischöfe setzen gerne auf neue, effiziente Strukturen, die das Überleben der Kirche in unserem Land sichern soll. Ganz sicher ist es ihre Aufgabe, auf Krisen und Veränderungen zu reagieren, aber lebendig ist die Kirche nicht, weil sie ein unschlagbar gutes Management hat, sondern weil in ihr der Geist Gottes den Raum findet, sich in den Menschen zu entfalten. Das ist keine Versuchung zu Vertröstung oder gar eine Anleitung zum Nichtstun. Es ist die Einübung in eine Gelassenheit, die nicht verzweifelt, wenn alles undurchschaubar bleibt.


Genau
diese Erfahrung kann die Orgel wie kein anderes Instrument vermitteln. Wir hören nicht das Ticken der Uhr, wir hören schwebende Klänge, die uns aus dem Maß der Zeit lösen und uns die Ewigkeit ahnen lässt. Darum ist die Königin der Instrumente mehr als ein Begleitinstrument für unsere Lieder. Sie macht uns fähig, über uns hinauszudenken und ein Gespür zu bekommen, wie viel Zukunft wir und die Menschheit noch haben bis Gott uns und sie endgültig in sein Reich heimholen wird. Amen.

Sven Johannsen, Pfarrer

 

Predigt 10. Sonntag im Jahreskreis B

„Kirche am toten Punkt?“

 10._Die_Kirche_ist_ihre_größte_Bedrohung2143.pdf

Einführung_Interview_2145.pdf

Lebensmittel oder nur Nahrungsergänzungsmittel?

2021_Nahrungsergänzungsmittel.pdf

Die diesjährige Freizeit für Mädchen im Alter von 12-16 Jahren findet von Freitag, 03.09. bis Sonntag, 05.09.2021 im Pfarrheim von St. Michael statt.  Wie im vergangenen Jahr beschäftigen wir uns mit drei verschiedenen Personen, die sich besonders um Glaube, Hoffnung und Liebe bemüht habe.  Neben dem täglichen religiösen Input steht viel Spiel und Spaß sowie kreative Basteleinheiten und ein Lagerfeuer auf dem Programm.  Die Übernachtung findet mit Schlafsack und Luftmatraze im Pfarrheim statt. 

Die Freizeit beginnt am Freitag um 09.30 Uhr und endet am Sonntag um ca. 15.30 Uhr.

Die Kosten für Material und Verpflegung belaufen sich auf 40€.  

Genauere Informationen werden nach Anmeldung mitgeteilt. 

weitere Informationen bei Sabrina Peper, Sozialpädagogin, Tel.: 09352-875061 oder per Email unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Predigt „House of One“

Dreifaltigkeitssonntag 29.5.2021

Sven Johannsen, Pfarrer

Dreifaltigkeit_2021_House_of_One.pdf

Pfingsten: Die Unermesslichkeit bricht ein in die Vergänglichkeit

2021_Wolke_und_Stein_NImbus.pdf

Zur Reihe "Nimbus" von Berndnaut Smilde: https://www.berndnaut.nl/works/nimbus/

Vom 27.9. - 6.10.2021

Geplanter Reiseverlauf (Änderungen möglich):

Fides und Noah feiern ihre Erstkommunion

 

Die große Chance der Kirchen“

 

Liebe Schwestern und Brüder

7_Kirchentag.pdf

Predigt Christi Himmelfahrt „Erleuchte die Augen unseres Geistes“

Liebe Schwestern und Brüder

Fake News oder Fakten?

Christi_Himmelfahrt_20212091.pdf

Predigt 6. Sonntag der Osterzeit

Das Neue Evangelium“

Sven Johannsen, Lohr

6_Das_neue_Evangelium.pdf

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