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Predigt 10. Sonntag im Jahreskreis B

„Kirche am toten Punkt?“

 10._Die_Kirche_ist_ihre_größte_Bedrohung2143.pdf

Einführung_Interview_2145.pdf

Lebensmittel oder nur Nahrungsergänzungsmittel?

2021_Nahrungsergänzungsmittel.pdf

Die diesjährige Freizeit für Mädchen im Alter von 12-16 Jahren findet von Freitag, 03.09. bis Sonntag, 05.09.2021 im Pfarrheim von St. Michael statt.  Wie im vergangenen Jahr beschäftigen wir uns mit drei verschiedenen Personen, die sich besonders um Glaube, Hoffnung und Liebe bemüht habe.  Neben dem täglichen religiösen Input steht viel Spiel und Spaß sowie kreative Basteleinheiten und ein Lagerfeuer auf dem Programm.  Die Übernachtung findet mit Schlafsack und Luftmatraze im Pfarrheim statt. 

Die Freizeit beginnt am Freitag um 09.30 Uhr und endet am Sonntag um ca. 15.30 Uhr.

Die Kosten für Material und Verpflegung belaufen sich auf 40€.  

Genauere Informationen werden nach Anmeldung mitgeteilt. 

weitere Informationen bei Sabrina Peper, Sozialpädagogin, Tel.: 09352-875061 oder per Email unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Predigt „House of One“

Dreifaltigkeitssonntag 29.5.2021

Sven Johannsen, Pfarrer

Dreifaltigkeit_2021_House_of_One.pdf

Pfingsten: Die Unermesslichkeit bricht ein in die Vergänglichkeit

2021_Wolke_und_Stein_NImbus.pdf

Zur Reihe "Nimbus" von Berndnaut Smilde: https://www.berndnaut.nl/works/nimbus/

Vom 27.9. - 6.10.2021

Geplanter Reiseverlauf (Änderungen möglich):

Fides und Noah feiern ihre Erstkommunion

 

Die große Chance der Kirchen“

 

Liebe Schwestern und Brüder

7_Kirchentag.pdf

Predigt Christi Himmelfahrt „Erleuchte die Augen unseres Geistes“

Liebe Schwestern und Brüder

Fake News oder Fakten?

Christi_Himmelfahrt_20212091.pdf

Predigt 6. Sonntag der Osterzeit

Das Neue Evangelium“

Sven Johannsen, Lohr

6_Das_neue_Evangelium.pdf

Predigt 5. Sonntag der Osterzeit B

2. Mai 2021

Mein letztes Wort! Danke!“

5._Sonntag_Dankbar_leben_Ps_118.pdf

Predigt 4. Sonntag der Osterzeit 2021

 die Kirche des guten Hirten

4_Ein_Plädoyer_2021.pdf

(Sven Johannsen, Lohr)

                  

Liebe Schwestern und Brüder,

Nein, ich widerspreche!

Ich bin weder rechts noch links. Weder lasse ich mich als konservativ noch als progressiv, als Traditionalist oder Liberaler von irgendjemand festlegen. Ich bin überzeugt, dass das für die meisten von Ihnen auch so gilt: Wir gehören in unserer Kirche zu keiner Partei, Seite, Fraktion, Gruppe oder einem Rand, egal ob rechts oder links. Was wir zur Zeit in unserer Kirche erleben, das ermüdet, ärgert und erschreckt mich: ein argwöhnisches Belauern von Katholiken, die ständig die Gegenseite diskreditieren müssen, ein lautes Geschrei von Minderheiten, die meinen, dass nur sie Recht haben. Die einen erklären uns, dass die katholische Kirche ihre letzte Chance verspielt, wenn nicht sogleich alle ihre Reformvorschläge umgesetzt werden. Die anderen wittern überall Häresie, Schisma und Verrat am Papst, den sie meist selbst nicht mögen, wenn auch nur Anfragen kommen, ob man im Blick auf die Morallehre der Kirche, den Zugang zu Weiheämtern oder die Machtausübung in der Kirche nicht neu nachdenken muss. Wahrscheinlich geht es vielen Zeitgenossen so wie mir: Es drängt sich der Eindruck auf, dass es in der Katholischen Kirche nur noch ein „entweder-oder“  geben kann:

Entweder ich bin für Papst, Lebensschutz, Hierarchie, Abwehr aller Veränderungen oder ich bin für Demokratisierung, Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine Annäherung an den Zeitgeist. Beide Seiten schließen sich gegenseitig aus, ja stehen sich unversöhnlich und aggressiv gegenüber. Ihr Protagonisten schonen sich gegenseitig nicht. Da dominiert auf einer österreichischen, katholischen Website ein emeritierter Professor und Kardinal, der nie Bischof in einer Diözese war, mit seiner Meinung, die hinter jedem freien Denken sofort Glaubensabfall wittert und schnell mit dem Vorwurf der Spaltung um sich wirft. Da profilieren sich Vertreter des Synodalen Wegs und der Jugend als die einzigen, die das Leben der Menschen verstehen, und unterstellen jedem, der nicht mit sofortigen Jubel alles in ihrem Sinn verändern will, reaktionär zu sein.

Aber das ist weder meine Sicht der Kirche noch die der Mehrheit der Katholiken. Ich glaube, dass man die Tradition der Kirche bewahren und dennoch Veränderungen angehen muss.

Ja, ich halte das „Responsum“ aus Rom zum Verbot der Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften weder für klug noch für lehrmäßig auf der Höhe der Zeit, aber ich werde dennoch nicht am 10. Mai irgendwelche Schausegnung inszenieren, um mich zu profilieren.

Ja, ich glaube, dass meine Kirche auch die Vollmacht ihres Herrn hat, Weiheämter für Frauen zu öffnen, aber ich werde dennoch nicht zustimmen, wenn demonstrativ Thesen an Kirchentüren gehämmert werden und sich Aktivisten damit in die Nachfolge von Martin Luther stellen.

Ja, ich halte am Ideal der Familie auf der Grundlage der Partnerschaft von Mann und Frau fest, aber ich werde mich dennoch nicht trauen, pauschal zu verurteilen, wenn Menschen ihre Liebe in anderen Formen leben oder ihr Glück nach eine Scheidung in einer neuen Ehe finden.

Ja, ich bin überzeugt, dass die Kirche ihre hierarchischen Strukturen ändern und auch mündigen Laien mehr Leitungsverantwortung übertragen muss, aber ich teile nicht die Meinung, dass es die letzte Chance der katholische Kirche ist. Ihre einzige Chance zu allen Zeiten ist die Frage nach dem Willen Gottes und die Führung durch den Heiligen Geist, der sich am Ende immer durchsetzen wird, ganz egal welche Dummheiten wir als Kirchenvertreter anzetteln.

Ja, ich liebe es, wenn in unseren Kirchen die alten lateinischen Choräle das Gotteshaus erfüllen, aber ich freue mich noch mehr, wenn Kommunionkinder ohne Schüchternheit hier ans Mikro treten und ihre Fürbitten lesen oder auch mal in der Predigt dem Pfarrer widersprechen.                                                                                

Was die meisten von uns wollen: auf der Grundlage eines Glaubens, der sich vor der Vernunft verantworten kann, einfach unser Christsein leben.

                                

Ich lasse mich nicht festlegen, auch wenn das denen, die sich zu irgendeiner Seite zählen, es leicht machen würde, mich als Freund oder Feind zu sehen. Unsere Kirche musste immer Grabenkämpfe und Zerreißproben aushalten, aber sie hat noch nie ihr Heil gefunden im Lagerdenken. Immer wenn sie das versucht hat, meist dann in rigoroser Abwehr gegen die Welt, ist sie nach einiger Zeit kläglich gescheitert. Es passt auch nicht zu ihrem Wesen. Sie musste seit ihren Anfängen  Verschiedenheit aushalten.
Heute tritt uns wieder der Apostel Petrus in der Lesung gegenüber. Wir lesen im vierten Kapitel der Apostelgeschichte, also zu einem Zeitpunkt, zu dem noch alles einig ist. Aber das wird sich schnell ändern. Während Petrus hier noch als Jude zu jüdischen Räten und Zuhörern spricht, wird sich mit Stephanus eine Glaubensbewegung Bahn brechen, die mit den wichtigsten Traditionen des Judentums bricht. Diese „Griechen“ werden schaffen, was den Aposteln, also dem Urkern der Jesusbewegung, noch nicht in den Sinn kam: Sie werden das Evangelium über Jerusalem in alle Gebiete Israels tragen. Aus ihrer Mitte wird Paulus erstehen, der schließlich die Verkündigung ausweitet auf die ganze Welt. Für Petrus ist das keine Selbstverständlichkeit. Er ist der Mensch des jüdischen Ursprungs. Aber er wird sich dem Willen Gottes öffnen und die Gemeinden besuchen und betreuen, die sich außerhalb der Jerusalemer Urgemeinde entwickelt haben, und er wird der sein, der schließlich die Speisevorschriften aufhebt und so den Zugang auch für Nichtjuden zur Jesusgemeinde öffnet. Er kann das, weil er nicht seine Ideen durchsetzen will, sondern dem Willen Jesu gehorcht. Petrus, der immer wieder fragt, ob die Entwicklung gut ist, steht für eine Kirche, die nicht Recht haben will, sondern die sich um Einheit in Vielheit bemüht. Darum ist das Amt der Päpste in seiner Nachfolge als „Pontifex“, Dienst des Brückenbauens am besten beschrieben. Unsere Kirche strahlt nicht dann, wenn wir möglichst viele ausgrenzen und so eine „reine“ Lehre bewahren, sondern wenn es gelingt, verschiedene Sichten auszuhalten. Das ist unsere eigentliche Stärke. Schade, dass man das kaum noch bemerkt.

Aber es ist der rote Faden, der seinen Anfang beim guten Hirten selbst nimmt. Jesus gibt die Richtung vor, wenn er im heutigen Evangelium sagt: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.“

Das ist mehr als ein Hinweis auf die spätere Mission unter den Heiden, Es ist ein Einblick auf die Sicht von Kirche zur Zeit des Evangelisten Johannes. Jesus lässt sich nicht von einer Gruppierung auf ihre Seite ziehen. Er ist für alle da, die „Starken“ und die „Schwachen“, die „Reformer“ und die „Bewahrer“. Seine Aufgabe ist nicht das Aussondern, sondern das Zusammenhalten und die Bewahrung des Friedens in  der Herde. Darf dann in der Kirche sich jemand als seine Hauptaufgabe anmaßen, ständig andere unter Generalverdacht zu setzen und sie hinauszudrängen? Ist es nicht, ganz egal welche Ansicht ich vertrete, zuerst meine Aufgabe, Brücken zu bauen? „Recht haben“ bedeutet in unserer Kirche zur Zeit v.a., dem anderen nachweisen, dass er irrt und nicht mehr dabei ist. Auf beiden Seite ist es zum Sport geworden, Menschen zu zwingen, sich für eine Gruppe zu entscheiden. Aber das will ich und die Mehrheit der Katholiken nicht. Vielleicht überlassen wir das Schreien zu sehr den Minderheiten am Rand.

Es ist in Ordnung und keine Sünde, wenn in der Kirche um den richtigen Weg gerungen wird. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn der Eindruck erweckt wird, dass die eine oder andere Seite am Ende die Mehrheit haben wird. Da bezweifle ich jede Umfragen. Die Mehrheit der Katholiken in unserem Land stehen werden links noch rechts. Sie wollen eine Kirche, die auf dem festen Grund des Glaubens an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist steht und sich nicht jedem Zeitgeist beugt, aber die auch nicht das Leben der Menschen ignoriert und mit Totschlagargumenten jegliche sinnvolle und begründete Veränderung abblockt, wie z.B. in der Frage nach Zulassung von Frauen zu Weiheämtern, wo man das Schweigen Jesu als Verbot interpretiert, während man in anderen Fällen wie z.B. in der Schaffung von Bischofsämtern sein Schweigen als Zustimmung interpretiert hat. Das ist Willkür.

Bei allem Wunsch nach Veränderung sind die meisten von uns doch loyal zu ihrer Kirche. Wir glauben nicht, dass sich das Schicksal der Kirche daran entscheidet, wie modern oder reaktionär sie auftritt, sondern daran, ob Menschen in ihr eine Heimat für ihre Seele finden, die nach Gott sucht, ob in ihrer Verkündigung und ihrer Feier der Eucharistie der Himmel in unserem irdischen Alltag anbricht und ob ich hier noch aufgehoben bin in der Weggemeinschaft der Glaubenden, Hoffenden und Liebenden.                                                   

Bei allem Wunsch nach Veränderung, ist Kirche mehr als ein modern aufpoliertes Image. Bei allem Wunsch nach Beständigkeit, ist Kirche kein Museum, in dem Relikte einer längst vergangenen Zeit beschworen werden. Nicht, die, die ständig meinen gegen einen anderen kämpfen zu müssen, sind die Mutigen. Ich halte sie für Feiglinge, weil sie andere Meinungen nicht ertragen können.

Ich bin nicht Priester in einer Kirche, in der Menschen es sich erlauben dürfen, anderen das Recht der Zugehörigkeit zu bestreiten, nur weil sie anders leben, anders denken und sich anders verhalten als sie es wollen. Ich bin Mitglied in einer Kirche, die der gute Hirte, unser Herr Jesus Christus, als seine Herde bezeichnet und in der jeder seinen Platz hat, wenn er nur seine Stimme hört und sich von ihm gerufen weiß.
Ich bin nicht in einer Kirche von perfekten Besserwissern, sondern in einer Kirche, in der sich Menschen um den richtigen Weg bemühen, aber auch scheitern können, in der sie sich vollwertig akzeptiert fühlen, auch wenn sie ständig der Umkehr bedürfen und sich nie auf ihre Leistungen und Verdienste berufen können.
Nein, ich bin nicht Mitglied einer Sekte, die ausschließt und aussondert, sondern gehöre zu einer Kirche, die den Anspruch erhebt, „katholisch“ zu sein, das heißt allumfassend.

Kirche ist kein Wunschkonzert. Wenn ich aber doch mir anmaße, es zu tun, dann wünsche ich mir keine Kirche der Hetzer und Spalter, sondern eine Kirche der Brückenbauer, wie es der langjährige Wiener Kardinal Franz König war, der einmal einen Text verfasste, der für mich die Zukunft der Kirche als Ort der Begegnung mit dem lebendigen Christus treffend beschreibt:

Ich wünsche mir …
eine einladende Kirche
eine Kirche der offenen Türen
eine wärmende, mütterliche Kirche
eine Kirche der Generationen eine Kirche derer,
die vor uns waren, die mit uns sind und nach uns kommen
eine Kirche des Verstehens und Mitfühlens, des Mitdenkens, Mitfreuens und Mitleidens
eine Kirche, die mit den Menschen lacht und mit den Menschen weint
eine Kirche, der nichts fremd ist eine Kirche, die ihre Kinder sucht und ihnen nachgeht
eine Kirche, die den Menschen dort begegnet, wo sie sind:
bei der Arbeit und beim Spaß, auf dem Fußballplatz und in ihren Häusern
eine Kirche der festlichen Tage und eine Kirche des täglichen Kleinkrams
eine Kirche, die keine Vorleistungen verlangt und keine Verhaltenszeugnisse ausstellt
eine Kirche der Kleinen und der Armen
eine Kirche der Erfolglosen und Gescheiterten – im Leben, im Beruf oder in der Ehe
eine Kirche der Weinenden und Trauernden
eine Kirche – nicht der frommen Sprüche, sondern der helfenden Tat
                                                                                                                     
Kardinal Franz König

                                                                                                                                                                                            

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